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3. DEZ 2018

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Clôture: Vergoldetes Jubiläum für den »falschen Bazire«

(nn) - Vincennes, Sonntag, 2. Dezember. Wenn es so etwas wie einen Tipp des Wochenendes gab, an dem es in Vincennes´ Gruppe-Prüfungen für die Favoriten drunter und drüber ging, so hieß der Cleangame. Sechs der bestrittenen sieben Etappen des seit 1983 ausgetragenen »Grand National du Trot«, der vom 7. März in La Capelle bis zum 21. November in Rouen-Mauquenchy auf 13 Stationen kreuz und quer durch Galliens Lande getourt ist, hatte der unter Bazires Fittichen vom Saulus zum Paulus bekehrte Wallach auf seine Kappe gebracht und führte das Gesamt-Tableau mit uneinholbarem Vorsprung an.

Die letzte Station hatte ihm sein Herr und Meister erspart, um ihn für diese Schlussetappe, die einen ähnlichen Renommierwert genießt wie jene der »echten« Tour de France der Pedaleure auf den Champs Elysées, richtig frisch zu haben. Kaum jemand zweifelte, das Dream-Team würde auch diesem »Prix Maurice de Folleville«, bei dem es neben doppelter Punktzahl um 150.000 statt der sonst üblichen 90.000 Euro ging, seinen Stempel aufdrücken und damit den Uralt-Rekord Quecastlys, was die Zahl der Etappensiege anbelangt, von »anno dunnemals« bzw.1988 übertreffen.

Doch selbst ein solcher Crack vermochte den vermaledeiten Fluch, der über den Lieblingen der Wetter zu schweben schien, nicht zu verscheuchen und musste gar um Platz drei bangen, was »JMB« keineswegs krumm nahm: »Nein, enttäuscht hat er mich nicht. Man muss bedenken, dass er übers gesamte Jahr ohne größere Pause durchgerannt ist und sich mal eben rund 385.000 Euro angelacht hat. Und dann ging´s über den gesamten Weg höllisch schnell zur Sache, und er musste viel mit der Nase im Wind tun. 700 Meter vorm Ziel ahnte ich, dass wir nicht gewinnen können.«

Gut, wenn man einen Stallkameraden dabei hat, der in die Bresche springt: »Ich habe immer gesagt, dass Blé du Gers, wenn er in Cleangames Rücken liegt, ihn durchaus schlagen kann. Heute ist für ihn alles brillant gelaufen.« Eben dieser Nachkomme von Bazires ehemaligem Millionär Quinoa du Gers, mit einem Ehrenplatz in Vire in dieses Finale gerutscht, ansonsten auf einer anderen Route unterwegs, holte sich mit dem 17. Treffer zum Jubiläum - es war sein 50. Auftritt - den wertvollsten Scheck seiner Laufbahn ab, machte zugleich Alexandre Abrivard zum Kronprinzen der GNT-Fahrerwertung und bescherte seinem Besitzer ein Déjà-vu-Erlebnis:

Für die weiß-rot-schwarzen Farben des einstigen Rugby-Nationalspielers und jetzigen Toulouser Hoteliers Jean-Michel Rancoule (59) hatte auf den Tag genau vor sechs Jahren Roi Vert mit Bazire im Sulky auf der Clôture triumphiert. Wie scharf es um die 150 Mille zur Sache ging, zeigte ein Blick auf den Chronometer: Mit 1:12,2 stellte Blé du Gers eine neue Bestmarke auf. Für Jean-Michel Bazire war es als Trainer nach Aubrion du Gers, der hier 2016 seinen unaufhaltsamen Aufstieg an die Spitze der Traberwelt begann, und Bel Avis ein sauberer Hattrick auf der Königsetappe.

Der Rennverlauf

Der gerade noch ins erste Band passende Balfour, mit einem Ehrenplatz am 21. November in Mauquenchy quasi auf den letzten Drücker in den Final-Zug gesprungen, setzte sich rasch gegen Viking Fromentro und Utile Lebel fürs Kommando durch, das er nach einer kurzen Rochade vor der Tribüne mit Best du Hauty bis eingangs des Bogens von Joinville inne hatte.

Dort ließ Gabriele Gelormini den unermüdlich drückenden Colonel, Bazires dritte Waffe, vorbei, mit dem Filius Nicolas offensichtlich die taktische Aufgabe zu erfüllen hatte, das Tempo hoch zu halten. Durch Spur zwei pflügte Blues des Landiers vor Bonne Copine, in Reihe drei erschien Blé du Gers, den Bazire junior zu Beginn des Anstiegs selbstverständlich in Front ließ, vor Aufor de Mire und Cleangame, an dem Ceylan Dairpet wie eine Klette klebte.

Kaum hatte sich der Bigeon-Schützling als Leader der zweite Spur installiert, gab Jean-Michel Bazire Gas, um aus der dritten Linie wegzukommen, als ihm Blues des Landiers in die Parade fuhr und zum Dank für den Stopp auch noch kurz darauf aus dem Rhythmus geriet, was Cleangame vor einige Probleme stellte. Zum Glück hatte Dominique Chéradames nicht eben von Übersicht zeugende Aktion keinen nachhaltigen Einfluss auf den Rennausgang, denn Cleangame umschiffte die Klippe, als hätte er zeitlebens nie etwas anders getan, und Celan Dairpet wich ihm ohnehin nicht vom Hacken.

An der letzten Ecke rieben sich die Ersten verwundert die Augen. Während Blé du Gers unvermindert locker-flockig dahin sprudelte, musste Bazire bereits »nachfassen«, und wenige Meter weiter wurde ersichtlich, dass er heute nicht um Sieg und Ehrenplatz mitmischen würde. Was der 48-Jährige aus vier Längen Entfernung sah, zauberte ihm trotz der ernüchternd herben Niederlage - selbst Rang drei geriet gegen die außen wie innen sich mächtig einmischenden Utile Lebel und Best du Hauty in allerhöchste Gefahr - ein Lächeln ins Gesicht:

Unbeeindruckt zog Blé du Gers seinen Stiefel durch und hielt den prächtig fightenden Ceylan Dairpet locker um 1½ Längen auf Distanz. Balfour, der noch zu Beginn der Zielgeraden so ausgesehen hatte, als könne er um einen der besseren Schecks ein deutliches Wörtchen mitreden, tauchte immer weiter unter, je näher es dem Ziel ging, und stand am Ende als brotloser Zehnter in der Ergebnisliste hinter den sich heimlich still und leise durchs Match schleichenden Voeland, Cicero Noa, Bonne Copine und Animateur Colonel.

ERGEBNIS

Sonntag, 02.12.2018
Vincennes / Frankreich
Clôture du Grand National du Trot / Prix Maurice de Folleville
150.000 € - 2850 m - Bänderstart
Gruppe II - Finale du Grand National - Startzeit: 15:22 Uhr

1.Ble du GersAlexandre Abrivard1:12,284*
2.Ceylan DairpetTony Le Beller1:12,3110
3.CleangameJean-Michel Bazire1:12,413
4.Utile LebelEric Raffin1:13,1580
5.Best du HautyOlivier Bizoux1:13,1630
6.VoelandBjörn Goop1:13,2840
7.Cicero NoePierre Vercruysse1:13,2220
8.Bonne CopineFranck Nivard1:13.2140
9.ColonelNicolas Bazire1:13,2240
10.BalfourGabriele Gelormini1:13,2160
11.Viking FromentoThomas Lesveque1:13,6350
12.BalandoDavid Thomain1:13,11200
13.Baraka de BellouAnthony Barrier1:13,91080
14.Aufor de MireCharles-Julien Bigeon1:14,2250
 Discours JoyeuxFrancois Lecanud. r.1060
 Blues des LandiersDominique Cheradamed. r.1180
-NS-Copernic de Play   
-NS-Venosc de Minel   

Ble du Gers - 7j. W. v. Quinoa du Gers a. d. Moorea v. Baccarat du Pont
Sieg: 84:10 (*Stallwette / 13:10) - Platz: 23 - 22 - 13:10 - ZW: 257:10 - Trio: 57:10
Wert: 67.500 €, 37.500 €, 21.000 €, 12.000 €, 7.500 €, 3.000 €, 1.500 € - Richterspruch: leicht, 1½ - 2 - kK - ½ - 1½ - ½ - K – K


Auf das Gesamtklassement hatte das Ergebnis nur marginale Auswirkungen, standen doch die Sieger bei Pferd, Fahrer und Trainer bereits vor der Clôture fest. Besitzer Jean-Michel Rancoule bekam neben dem Ehrenpreis für den Etappensieg einen zweiten für Toursieger Cleangame. Jean-Michel Bazire als Chauffeur darf sich über einen Reisesack von Louis Vuitton im Wert von 1.360 Euro freuen und krallte sich noch überlegener als bei den »Drivers« den 15.000-Euro-Scheck für den erfolgreichsten Trainer vor Tony Le Beller (7.500 Euro) und Nicolas Ensch (3.000 Euro).

Alexandre Abrivard untermauerte durch den Sieg mit Blé du Gers seinen zweiten Platz und darf sich fortan in einen mit kanadischen Gänsedaunen gefüllten Parka im Wert von 925 Euro hüllen. »Artist« Pierre Vercruysse, der nach dem Fehlstart Cicero Noa mit einer Leine zügelte (die andere war gerissen) - allein diese unfreiwillige Show-Nummer wäre eine Extraprämie wert gewesen - kann in Zukunft Musik mit einem Bose Soundtouch genießen.

Die Favoritin abgeschmettert

Das Favoritensterben des Vortags in den höherpreisigen Rennen setzte sich mit dem Auftaktrennen nahtlos des Sonntags fort. Im »Prix Philippe du Rozier« für die vierjährigen französischen Satteltraber reichte es trotz des frühen Aussetzers des bei 32:10 notierten Etonnant nicht für Elladora de Forgan, die trotz einer unterirdischen letzten Vorstellung bei kurzen 20:10 gehandelt wurde.

Franck Nivard wählte mit der auf Gruppe-Ebene bestens etablierten Gazouillis-Tochter keine schlechte Taktik und orientierte sich durchweg an der durch die Außenspur dampfenden dritten Kraft des Wettmarkts Exotica de Retz. Als die elegante Schwarzbraune mit der schmalen Blesse 600 Meter vorm Ziel die bis dahin das flotte Tempo vorlegende Ever Dream Music geknackt hatte, konnte »Elladora« nach wenigen Metern an der frischen Luft gleich wieder in Exoticas Windschatten eintauchen.

Als sie daraus hervorkam - einzig Etoile de Bruyère vermochte diesem Duo halbwegs auf den Fersen zu bleiben - und alle Welt die entscheidende Attacke erwartete, geriet die sehr viel weniger schneidig als erhofft. Weit nach außen wandernd, bekam Elladora de Forgan die mit Delphine Beaufils Ernault immer wieder das entscheidende Schippchen draufsattelnde Prodigious-Tochter einfach nicht in den Griff. Die scheint an diesen kurzen Gruppe-Aufgaben viel Gefallen zu finden, behauptete sich um einen langen Hals zum dritten Mal in einem solchen Match, bescherte ihren Anhängern bei 6,1-fachem Einsatz einen sehr ordentlichen Gewinn und stemmte ihr Konto auf 318.950 Euro. Einzig Etoile de Bruyère blieb zwei Längen zurück auf Schlagdistanz. Den völlig demolierten Rest schleppte zehn Längen später Eole Christubert ins Ziel.

ERGEBNIS

Sonntag, 02.12.2018
Vincennes / Frankreich
Prix Philippe du Rozier
120.000 € - 2175 m - Bänderstart
Gruppe II - Reiten - Startzeit: 13:10 Uhr

1.Exotica de RetzDelphine Beaufils Ernault1:11,861
2.Elladora de ForganFranck Nivard1:11,816
3.Etoile de BruyereAdrien Lamy1:12,0120
4.Eole ChristubertJonathan van Vammeerbeck1:12,9490
5.Ever Dream MusicDavid Thomain1:13,6210
6.Etincelle de RochaEric Raffin1:21,7400
 EnvoleeRomain Derrieuxd. r.450
 EtonnantYoann Lebourgeoisd. r.38

Exotica de Retz - 4j. St. v. Prodigious a. d. Quayaya v. Hermes Perrine
Sieg: 61:10 - Platz: 15 - 12 - 16:10 - ZW: 40:10 - Trio: 102:10
Wert: 54.000 - 30.000 - 16.800 - 9.600 - 6.000 - 2.400 - 1.200 € - Richterspruch: Kampf, H - 2½ - 10 - 7½ Längen


Wie ein roter Faden zogen sich die Finals der »Open des Régions« für drei-, vier- und fünfjährige Franzosen durchs Zehn-Punkte-Programm. Mit jeweils 85.000 Euro dotiert und über 2850 Meter (plus Zulagen) führend, lockten sie all Jene aufs Plateau de Gravelle, die sich in ihren Regionen dafür qualifiziert hatten.

Chronologisch waren zunächst die 2015 Geborenen gefragt, bei denen man sich wundern musste, dass ein zwar bei fünf Auftritten noch nie bezwungenes, jedoch nur 65.250 Euro leichtes Gewicht wie Feydeau Seven aus dem »Entraînement Bazire« gegen zum Teil bereits mehrfach auf Gruppe-Niveau erprobte Recken für 1,6-fachen Einsatz losgeschickt wurde. Die Quittung kam prompt, doch war es nicht 66:10-Chance Fakir du Lorault, der dem letztlich als Fünfter anschlagenden Rédéo-Josselyn-Sohn die weiße Weste verhagelte, sondern die als zweitlängste 388er Außenseiterin gehandelte Favorite Fligny, mit der sich der 25-jährige Sylvain Dieudonné aus konsequenter Deckung ganz leicht fast vier Längen vor Free Man durchsetzte.

Auch im folgenden »Fünfjährigen-Vergleich« hatten die beiden bei 36 und 35:10 fast gleichauf notierten Diamant du Lupin (III.) und Dream de Lasserie, der gar nur Siebenter wurde, mit der eigentlichen Entscheidung wenig zu tun. Deutlich mit zwei Längen setzte sich David Thomain (90) mit Diablo d´Herfraie gegen Doux Parfum (49) durch.

Einen ersten Wink, dass es die Gemeinten nun endlich besser zu machen gedachten, gab es im »Prix de l´Eure« für sechs- bis neunjährige Europäer, die noch keine 209.000 Euro gewonnen hatten und der zur sehenswerten Beute von Coktail Fortuna wurde. Mit dem erstmals in Frankreich weilenden Love You-Sohn aus der von Michael Schröer gezüchteten Dalloah No gab Gabriele Gelormini der Konkurrenz vorneweg derart Saures, dass man von dem Fuchs aus Robert Berghs Trainieranstalt für dieses Meeting noch einiges erwarten darf.

Der bei 47:10 gelistete Wallach wäre ganz sicher auch nicht von dem zur Hälfte des 2850-Meter-Weges unvermittelt ausfallenden Visitor zu packen gewesen, der nur dank der Steuerung durch Jean-Michel Bazire bei 26:10 stand.

Es blieb dem Meister vorbehalten, den schwarzen Bock endlich umzustoßen: Im Vergleich der »Vierjährigen« war er mit dem zum zehnten Mal aus 15 Prüfungen erfolgreichen Evrik de Guez für 17:10 genauso souveräne Ware wie anschließend mit Dastavia de Guez (26:10) und baute seinen Vorsprung in der Fahrerwertung auf 236 zu 220 Siege des Yoann Lebourgeois aus, dessen drei fünfte Ränge das Beste der heutigen Fahnenstange waren.

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