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6. AUG 2018

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Derby: It´s all Bakker & Hagoort

Den Namen Charlie Mills kennt Robin Bakker bestenfalls aus Büchern oder Erzählungen, aber es sagt auch etwas über die Qualitäten des 35-Jährigen aus, dass er sich in der Stunde seines historischen Triumphes als erstes an ihn erinnerte.

Als der Sohn des irischen Traber-Trainers Anthony Mills, der 1888 in Hamburg geboren wurde, im Alter von 83 Jahren 1972 starb, war der Niederländer noch gar nicht geboren. Am Sonntag in Berlin-Mariendorf, löschte Bakker eine der vielen fahrerischen Top-Leistungen des 1947 nach Frankreich ausgewanderten Mills aus den Rekordlisten. Zwischen 1934 und 1939 hatte er das Deutsche Traber-Derby fünf Mal gewonnen, so wie Bakker nun im Zeitraum von 2013 bis 2018, aber selbst diesem großen Sulkysportler, der 1934 auch den Prix d´Amerique mit Walter Dear gewann, war es nicht vergönnt, es vier Mal in Folge zu gewinnen. Das gelang bis zu jenem 5. August 2018 niemanden, keinem Mills, keinem Cassirer, keinem Großmann, ja nicht einmal Hans Frömming oder Heinz Wewering, die dem Traber-Fan von heute mehr sagen als die Namen der »Altvorderen«.

Fahrerisch eingeordnet ist er nun, dieser fünfte Derby-Sieg von Robin Bakker, nun also der Trainer: Paul Hagoort stellte zum sechsten Mal innerhalb von nur zehn Jahren den Sieger im Derby eines Landes, in dem er weder zu Hause ist noch regelmäßig arbeitet. Trotzdem gelingt es ihm Jahr für Jahr, das jeweils beste Individuum einer Aufzucht zu erkennen und es punktgenau auf den wichtigsten Tag in seiner Karriere vorzubereiten. Einen Vergleich mit dem Triple-Trainer Heynckes oder auch zahlreichen anderen Trainergrößen im Fußballgeschäft muss er nicht scheuen, auch wenn die Materie an sich letztlich natürlich nicht vergleichbar ist.

Dieses Mal hat er auf den inzwischen schon Normalität bedeutenden Triumph noch einen - oder sagen wir besser zwei - »draufgesetzt«: Am Samstag gewann die von Hagoort trainierte Avalon Mists für den 40-Jährigen das Stuten-Derby (natürlich mit Bakker), und in der Endabrechnung des 123. Deutschen Traber-Derbys erreichte mit Ids Boko ein weiterer, von Hagoort vorbereiteter Dreijähriger auch noch den Ehrenplatz. Mehr geht dann wirklich kaum noch. Wenn man bei Hagoort das berühmte »Haar in der Suppe« suchen will, dann war das bislang der Umstand fehlender »Nachhaltigkeit«, will sagen, dass »seine« Derby-Sieger (Zar As, Ferrari Kievitshof, Muscle Scott) nach ihren großen Erfolgen praktisch in der Versenkung verschwanden.

Aber auch damit scheint Hagoort nun »durch« zu sein, wie sein Vorjahressieger Tsunami Diamant in der Derby-Revanche eindrucksvoll bewies. Und vergessen wir nicht, dass er aus dem letzten Derby-Jahrgang auch noch einen gewissen Broadwell hat. Kurzum: Rein an den Ergebnissen gemessen, ist Paul Hagoort - zumindest im Moment - trainerisch eine »perfect ten«!

Im Vorfeld des mit 216.563 Euro dotierten Rennens hatten wieder die »staatlich geprüften Bedenkenträger« ihre große Zeit. Der kurze Wechsler, den sich Favorit Mister F Daag in seinem Vorlauf geleistet hatte, gab offenbar Anlass zu den verschiedensten Spekulationen, ungefähr nach dem Motto »Verschoss zuletzt einen Elfmeter, wird dann vermutlich auch heute nicht treffen«. Doch was in der Theorie zum »Thema mit offenem Ausgang« gemacht wurde, bekam am Wettmarkt und »auf´m Platz« eine eindeutige Antwort: der Conway Hall-Sohn aus der Qualitätszucht von Jean Huls ist augenscheinlich das beste Pferd seiner Generation!

Wie tags zuvor im Stuten-Derby-Finale hielt sich Robin Bakker aus dem mörderischen Kampf um die Spitzenposition heraus, den für das Team aus Oldetrinje Ids Boko (Rick Ebbinge) gegen den innen gleich voll einsteigenden Chapter One (Michael Nimczyk) und Fabio de Pervenche (Dion Tesselaar), der sich eingangs zum ersten Bogen zurückzog, bestritt. Phantastische 1:04,7 blinkten am selten bis nie funktionierenden »Fieldboard« auf, und als sich der Vertreter des Hausherrn Ulrich Mommert endlich durchgesetzt hatte, sah man Mister F Daag an fünfter Stelle hinter seinem Trainingspartner Charmeur Royal, den Heinz Wewering sehr zügig ins Rennen geführt hatte. Vorbei war das Rennen zu diesem Zeitpunkt schon für Velten von Polly, der - abgesehen vom makellosen Äußeren - nicht das Pferd der Vorwoche war und die Einschätzung seines Trainers, das Rennen komme einen bis zwei Monate zu früh für den Varenne-Sohn, leider vollauf bestätigte.

Natürlich konnte wie wahnwitzige Jagd nicht so weitergehen, Michael Nimczyk versuchte, das Tempo deutlich herauszunehmen, was aber Bakker sofort auf den Plan rief. Aus der ersten Kurve heraus dirigierte er Mister F Daag in Spur zwei, noch bevor Officer Stephen, mit dem Besitzer Karel Gerrits aus Startreihe zwei keine Lage gefunden hatte, ihm die »Bude« zu fahren konnte. In den Rücken des längsten Außenseiters begab sich Co-Favorit Very Impressive S (Cees Kamminga), der sich in der Folge zum »Pechvogel« des Rennens entwickelte. Als Officer Stephen schon eingangs gegenüber ruckartig geschlagen nach außen »taumelte« (500 Euro Geldbuße und eine Woche Fahrverbot für Karel Gerrits), wurde er empfindlich gestört und musste neu ansetzen, als er 250 Meter weiter in dritter Spur anzugreifen versuchte, lief ihm auch noch der gleichermaßen geschlagene Charmeur Royal vor die Füße, was einen weiteren Stopp zur Folge hatte.

An der Spitze ging inzwischen die Post ab. Mister F Daag schob sich im Verlauf der Gegenseite kontinuierlich bis an die Seite von Chapter One vor, der wirklich alles gab, um für den ersten Berliner Sieg seit 1988 zu sorgen. Genau in dem Moment, als Kommentator Peter Fahrentholz genau dies in Aussicht stellte, neigte sich die Waage zugunsten des Angreifers, der zwar in Schwung gehalten werden musste, aber auf sichtbare Unterstützung verzichten konnte. »Leicht eineinhalb Längen« lautete das Urteil des Zielrichters, dem man ohne Bedenken folgen konnte. Hinter dem mit 1:12,3 einen neuen Derby-Rekord aufstellenden Sieger (bisher Muscle Scott mit 1:12,5) kam Ids Boko erst 150 Meter vor dem Ziel hinter Chapter One frei, da schien Fabio de Pervenche für den Ehrenplatz besser zu gehen.


Der Eindruck täuschte aber, Deutschlands schnellster dreijähriger Wallach auf der Mitteldistanz fasste noch einmal nachhaltig an und eroberte mit dem kürzesten aller Köpfe den rund 51.000 Euro wertvollen Ehrenplatz. Chapter One muss sich keinen Vorwurf machen, er hatte alles gegeben, seinen Rekord um fast eine Sekunde verbessert, das Trio vor ihm war - zumindest an diesem Tag - eindeutig stärker. Hadern durfte natürlich Cees Kamminga, der mit Very Impressive S die gewonnt starke Schlussleistung bot, die freilich nur noch zu Platz fünf - eine Länge vor dem ihm wie ein Schatten folgenden Crazy and Quick (Jaap van Rijn) - reichte. Inspector Bros (Stefan Schoonhoven) lief an der Innenkante ohne Möglichkeiten nur mit, Standbyme (Björn Goop) versuchte im Schlussbogen zumindest Attacke, war damit aber überfordert und musste mit den letzten 2.000 Euro für Rang acht zufrieden sein.

Weil Charmeur Royal ausgangs gegenüber disqualifiziert wurde und Velten von Polly sowie Officer Stephen aus den beschriebenen Gründen sogar »hinter der Flagge« einkamen, gab es dafür auch keine Konkurrenz mehr. Der dem Vernehmen nach an Ulrich Mommert verkaufte Laurel Park war mit Attest abgemeldet worden.

ERGEBNIS

Sonntag, 05.08.2018
Berlin-Mariendorf / Deutschland
123. Deutsches Traber-Derby (Finale)
ca. 216.000 € - 1900 m - Autostart
Dreijährige Inländer

1.Mister F DaagRobin Bakker1:12,317
2.Ids BokoRick Ebbinge1:12,446
3.Fabio de PervencheDion Tesselaar1:12,4617
4.Chapter OneMichael Nimczyk1:12,786
5.Very Ompressive SCees Kamminga1:12,839
6.Crazy and QuickJaap van Rijn1:12,9329
7.Inspector BrosStefan Schoonhoven1:12,9673
8.StandbymeBjörn Goop1:13,4353
 Velten von PollyHugo Langeweg jun.hdF120
 Officer StephenKarel GerritshdF880
 Charmeur RoyalHeinz Weweringd.r.207
-NS-Laurel Park   

Mister F Daag - 3j. H. v. Conway Hall a.d. Miss Love v. Love You
Sieg: 17:10 - Place: 18 - 28:10 - Zweierwette: 69:10
Dreierwette: 1.467:10 - Viererwette: 10.540:10

Mit Alwin Schockemöhle (81) als Züchter und Heinz Wewering (68) als »Vollstrecker« für Trainer Erwin Bot hatten zwei Größen des deutschen Trabrennsports noch einmal ein Erfolgserlebnis auf kleinerer Bühne. Der erst am 11. Juli ins Renngeschehen eingestiegene, inzwischen aber schon zum vierten Mal innerhalb von 23 Tagen angespannte Great Gatsby As gewann das mit 20.000 Euro dotierte B-Finale als 136:10-Außenseiter. Im Kampf um die Spitze rang der Abano As-Sohn zunächst Provenzano (Rudi Haller) einen Fehler ab, musste dann aber doch Cesare W (Kurt Roeges) das Kommando überlassen.

Der für seine Verhältnisse halbwegs ordentlich eingetretene Favorit Emilion (Michael Nimczyk) rückte schon ausgangs der ersten Biegung in dritter Spur weiter, und der »Goldhelm« fuhr dann - fast Mitte der Bahn - weiter, bis er eingangs zum Rosenhofbogen die Führung an sich reißen konnte. Dass der Sam Bourbon-Sohn aktuell nicht in bester Verfassung ist, zeigte sich noch vor Abschluss der ersten Runde. Mit deutlichem Vorsprung geriet der Hengst ins Trudeln, der Wechsel um eine Spur nach außen konnte die sich anbahnende Galoppade nicht verhindern, die sich in dem Moment realisierte, als Cesare W innen wieder gleichzog.

Der solchermaßen »unblutig« wieder in Front gekommene Dream Vacation-Sohn sah sich im Schlussbogen von dem seine Chance sofort erkennenden Heinz Wewering bedrängt, der sich im Einlauf einen knappen Vorlauf »erpresste«, den er gegen den nie aufgebenden 585:10-Außenseiter bis zur Linie zäh verteidigte. Die Siegerzeit von 1:14,0 stützt die These, dass von den Platzierten des B-Laufes im Hauptrennen wohl niemand eine Chance gehabt hätte, Rang drei ging an den Lasbeker Nashua (Christian Lindhardt), der vier Längen zurück nach einem eher unauffällig zu nennenden Verlauf den über weite Strecken in zweiter Spur auf sich gestellten Shabani BR (Roland Hülskath) und die Kopf an Kopf über die Linie kommenden Joe Cocker (Tim Schwarma) und Iron Transs R (Dion Tesselaar) im Griff behielt.

ERGEBNIS

Sonntag, 05.08.2018
Berlin-Mariendorf / Deutschland
123. Deutsches Traber-Derby / Finale B
20.000 € - 1900 m - Autostart
Dreijährige, nicht für das A-Finale qualifiziert

1.Great Gatsby AsHeinz Wewering1:14,0136
2.Cesare WKurt Roeges1:14,1585
3.NashuaChristan Lindhardt1:14,5549
4.Shabani BRRoland Hülskath1:14,6585
5.Joe CockerTim Schwarma1:14,9502
6.Iron Transs RDion Tesselaar1:14,951
7.Iron BeuckenswijkGerhard Mayr1:15,9558
 ProvenzanoRudi Hallerd.r.32
 EmilionMichael Nimczykd.r.16
 Iwan BokoStefan Schoonhovenagh.68

Great Gatsby As - 3j. H. v. Abano As a.d. Glide be Nimble v. Yankee Glide
Sieg: 136:10 - Place: 32 - 85:10 - Zweierwette: 3.064:10
Dreierwette: 35.400:10 - Viererwette: 168.990:10

Tsunami Diamant - Revanche wird nicht zugelassen

»Überall, wo Derby draufsteht, ist Bakker vorn« hieß es schon nach dem Derby-Pokal der Derby-Champions, den der Niederländer mit Hedy Beuckenswyk gegen Tiffany Diamant (Thomas Panschow) und Star´s Speed (Josef Franzl) gewann, und so war es fast schon überraschend, dass der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Derby-Sieger Tsunami Diamant nicht als Favorit in die Derby-Revanche (25.000 Euro) ging. Andererseits aber auch nicht, denn seine einzige Niederlage in diesem Jahr hatte der Gustav Diamant-Sohn gegen Portland (Björn Goop) einstecken müssen, und die Mehrzahl der Wetter rechnete damit, dass sich der zweifache Paris-Sieger nicht nur für sein Pech im Blauen Band 2017, sondern auch für die überraschende Niederlage gegen Charlotte Newport an gleicher Stelle entschädigen würde.

In der Realität kam es mal wieder ganz anders. Der mit großen Ambitionen aus Schweden angereiste Norton Commander (Conrad Lugauer) wollte den vollmundigen Ankündigungen aus dem Umfeld des Fuchs-Hengstes (»Wir kommen, um zu gewinnen«) offenbar Taten folgen lassen und hielt mit »As und Zehn« gegen den von außen wie gewohnt stark beginnenden Flying Fortuna (Rick Ebbinge). Der hatte es Mister Ed Heldia anfangs recht eng gemacht, so dass sich Michael Nimczyk zurückhielt und hinter Michael Haböcks Gift Kronos-Sohn nach innen ging. An seiner Seite erschien sofort Portland, dahinter schlossen im Verlauf der Tribünengeraden TomNJerry Diamant (Michael Larsen) und Baxter Hill (Josef Franzl) die nach der höllischen Auftaktphase entstandene Lücke.

Die »Tsunami-Welle« lag zu diesem Zeitpunkt noch am Schluss des Feldes hinter Mac Smily (Christian Lindhardt), orientierte sich eingangs der zweiten Biegung aber immerhin schon mal in Spur zwei. Nach knapp einer Runde konnte TomNJerry Diamant bereits nicht mehr folgen und wurde wenig später angehalten, Baxter Hill zeigte wenig später ebenfalls kaum mehr Reaktion, so dass es auch Franzl vorzog, das Rennen nicht zu beenden. Goop musste gegenüber reagieren, als Flying Fortuna massiv unter Druck geriet. Er umkurvte mit Portland den Vorjahreszweiten, an dem wenig später der extrem zugig nachsetzende Tsunami Diamant vorbeiflog.

Sekundenbruchteile später explodierte Norton Commander beim Versuch, Portlands Druck zu kontern, und obwohl Lugauer sein Pferd nach vorn galoppieren ließ, kam der hinter ihm eingebaute Mister Ed Heldia in Bedrängnis, weil zunächst nicht frei. In der Zielgeraden hatte Portland zunächst eine Länge gegen den nun zudringlich werdenden Derby-Sieger, der sich 150 Meter - auch hier wieder unter lediglich dezenten Hilfen seines Steuermannes - vorbei schob und seinen Vorteil bis zur Linie auf komfortable drei Längen ausbaute. Wenn es überhaupt etwas zu meckern gab an diesem Rennen, dann ist es der Umstand, dass die »letzte Halbe« mit 1:17,5 die langsamste war, was sicher nicht für eine gute Renneinteilung spricht. Bakker und dem gesamten Umfeld Tsunami Diamants war das aber »schnurzpiepe«, und auch an die Möglichkeit, dass mit Broadwell der vermutlich Jahrgangsbeste hier gar nicht dabei war, dachte in diesem Moment sicher niemand.

Ein deutliches »Lebenszeichen« sendete Mac Smily, der in der Schlussphase auf kurzen Wegen den anfänglichen Rückstand rasch wettmachte, sich nach dem Überholen des galoppierenden Norton Commander wieder nach innen orientierte und dort gegen den mit großer Energie noch einmal zurück kommenden Flying Fortuna das dritte Geld sicherstellte. Der ziemlich müde Mister Ed Heldia verlor auf den letzten 80 Metern noch zwei Positionen und dürfte kaum zur Verbesserung der Laune seines Steuermannes beigetragen haben.

ERGEBNIS

Sonntag, 05.08.2018
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Derby-Revanche
25.000 € - 1900 m - Autostart
Vierjährige

1.Tsunami DiamantRobin Bakker1:13,227
2.PortlandBjörn Goop1:13,422
3.Mac SmilyChristian Lindhardt1:13,7357
4.Flying FortunaRick Ebbinge1:12,867
5.Mister Ed HeldiaMichael Nimczyk1:13,8197
 Norton CommanderConrad Lugauerd.r.54
 Baxter HillJosef Franzlagh.66
 TomNJerry DiamantMichael Larsenagh.311

Tsunami Diamant - 4j. H. v. Gustav Diamant a.d. Glide Chip v. Yankee Glide
Sieg: 27:10 - Place: 14 - 14:10 - Zweierwette: 60:10 - Dreierwette: 1.031:10

Dessen einzigen Tagessieg hatte es kurz zuvor in der Derby-Revanche der Stuten gegeben. Hinter Favoritin Charlotte Newport lieferte er sich mit der tapferen und sich auf jedem Meter des Rennens gegen sie stemmenden Voyage d´Amour (Mike Lenders) - deutlich vor der von April Classic (Robin Bakker) angeführten Gegnerschaft - ein tolles Finish, das zweifellos zu den Spannungs-Höhepunkten des Tages zählte. Am Ende entschied ein »kurzer Kopf« zugunsten der Mommert-Stute, die mit 1:13,4 genauso schnell wie die erneut aus der Normandie angereiste Quick Wood-Tochter, aber auch wie Portland im Hengste-Lauf war. Ein Geschlechter-Vergleich wäre - zumindest rein an den erzielten Zeiten gemessen - sicher hoch interessant gewesen.

Mit Gilda Newport (Dion Tesselaar) setzte an diesem Nachmittag eine weitere Derby-Siegerin ein Glanzlicht. Nach fast acht Wochen Pause im Anschluss an das missglückte Frankreich-Unternehmen legte die Jauß-Stute in einem verbummelte Rennen, das der Bezeichnung »Rekordmeile« so gar nicht gerecht werden wollte, den Favoriten Cash Hanover in 1:12,8 / 1609 Meter in der Zielgeraden mühelos »zu den Akten« - nach der tollen Derby-Woche 2017 eine weitere Enttäuschung für das Erfolgsteam Mommert / Nimczyk.

Weil der Schwede Mr Lindy - nach dem harten Rennen am Dienstag zuvor in Jägersro kaum überraschend - und auch Thai Investment der Prüfung fernblieben und der stark beachtete Victorious Star seiner aktuellen Abneigung gegen das Laufen vor dem Wagen mit einer unendlichen Galoppade einmal mehr Ausdruck verlieh, war es an dem höchst angenehm überraschenden SJ´s Junior C (Stefan Schoonhoven), sich Rang drei zu schnappen. Beinahe hätte er sogar noch Cash Hanover angefangen, beide trennte am Pfosten lediglich ein »kurzer Kopf«. Star Advisor Joli (Rudi Haller) war nach einer aufwändigen Anfangsphase schon im Schlussbogen »stehend k.o.«, Celestial Light T K (Gerhard Biendl) wusst beim Comeback noch keine Akzente zu setzen, wurde aber immerhin Vierte.


Eine ausgesprochen angenehme Erscheinung ist Marc Elias, der 24-jährige Sohn von Conrad Lugauer und seiner Lebensgefährtin Karin Elias. Mit welcher Unbefangenheit er nach dem Sieg mit Bijou Bourbon H.M. im Finale des Super Trot-Cup (70.000 Euro) das Interview führte, über seine aktuelle Erfolgswelle berichtete, dabei bescheiden blieb und sich vor allem sprachlich auszudrücken wusste (was bei weitem nicht für alle, an Mikrofonen agierende Menschen galt), war herzerfrischend und eine echte Bereicherung für die Veranstaltung. Zuvor hatte er mit der für eigene Kasse, allerdings gepachteten, Sam Bourbon-Tochter nach einer kurzen Rochade mit dem erst durch den Ausfall des qualifizierten, aber nicht einsatzfähigen Rainbow Diamant ins Feld gekommenen Tyrolean Dream (Rudi Haller) die internationale Konkurrenz von der Spitze aus kontrolliert.

Kaum anspruchsvolle 1:14,8 über 2500 Meter reichten der sechsjährigen Stute, die ihren dritten Treffer in Folge landete, um ihren steten »Schatten« aus Aschheim überlegen in die Schranken zu weisen und mit 35.000 Euro die Gewinnsumme der Sechsjährigen bei deren 44. Karrierestart um gut 50 % zu steigern. Die durch Startreihe zwei doch arg gehandicapte Touch of Wind Bi (Rick Ebbinge) verdrängte den im Programm (was Trainer Gerhard Mayr ziemlich erboste) und auch am Toto arg vernachlässigten Muscle Boy As und den nicht ganz durchstehenden Co-Favoriten Arsenal (Peter Untersteiner) vom dritten Platz. Björn Goop wird durch die Berliner Derby-Woche sicher schnell einen Strich machen. Nachdem er am Samstag einen Sieg durch (allerdings korrekte) nachträgliche Disqualifikation verloren hatte, ging er mit Lutfi Kolgjinis Friend of Nature als Sechster auch hier leer aus.

ERGEBNIS

Sonntag, 05.08.2018
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Super Trot Cup (Sinale)
70.000 € - 2500 m - Autostart
Für das Finale qualifiziert

1.Bijou Bourbon H.M.Marc Elias1:14,898
2.Tyrolean DreamRudi Haller1:15,0108
3.Touch of Wind BiRick Ebbinge1:15,338
4.Muscle Boy AsGerhard Mayr1:15,3259
5.ArsenalPeter Untersteiner1:15,340
6.Friend of NatureBjörn Goop1:15,696
7.KhalidThorsetn Tietz1:16,0205
8.Popeye DiamantGerhard Biendl1:16,0461
9.Trecciadoro RexRobin Bakker1:16,258
10.Lord BroddeGregor Krenmayr1:16,4535
11.Den of WarlockMarkus Nicklasson1:16,9152
 Born AloneCarsten Milekagh.295

Bijou Bourbon H.M. 6j. St. v. Sam Bourbon a.d. Venzy Way v. Diamond Way
Sieg: 98:10 - Place: 42 - 86:10 - Zweierwette: 986:10
Dreierwette: 5.032:10 - Viererwette: 75.297:10

Ungeachtet der teilweise schon »unterirdischen« Qualität einiger Rahmenrennen konnte der Veranstalter mit dem Schlusstag ein positives Fazit - zumindest in Bezug auf den Umsatz - ziehen. Mit 707.040,71 Euro flossen rund 33.000 Euro mehr durch die Kassen als bei der Veranstaltung des letzten Jahres, man lag damit auf dem Niveau von 2016, als 709.040,78 Euro bilanziert wurden. - (cw)

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