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5. AUG 2018

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Stuten-Derby: Hagoort, Bakker und die »Pastoren-Tochter«

»Ja, wenn der Haller aber losfährt oder die Tesselaar-Pferde dagegen halten, dann …« lauteten im Vorfeld des 30. Arthur Knauer-Rennens die von den Experten, die sich von der Vorlaufleistung der Favoritin Avalon Mists nicht hatten überzeugen lassen, geäußerten Bedenken gegen einen Sieg der klaren 14:10-Favoritin.

Nur der niederländische Kollege Hans Sinnige brachte es in der Vorbesprechung auf den Punkt: »Avalon Mists kann aus jeder Lage gewinnen«. Und genau das tat die Pastor Stephen-Tochter aus dem Why Not Stable und Paul Hagoorts schier unerschöpflicher Talent-Schmiede, der das Rennen freilich nie zuvor gewonnen hatte, dann auch. Ihr Fahrer, Robin Bakker, der das »seit Ewigkeiten« vom Berliner Autohaus Winter gesponserte Stuten-Derby bereits einmal für Rob de Vlieger (2010 mit Anky Kievitshof) geholt hatte, dachte gar nicht daran, sich in die anfängliche Auseinandersetzung zwischen Donna Granata (Rudi Haller), der tatsächlich »losfuhr«, Cahaya (Dion Tesselaar) und der zunächst nicht aus Spur drei heraus findenden Lightning Bo (Jörgen Sjunnesson) einzumischen.

Im Gegenteil: Er zog sich auf den ersten 700 Metern aus praktisch allen Positionskämpfen heraus und war nur darauf bedacht, nicht in Bedrängnis zu geraten bzw. eingebaut zu werden. So lag er zu Beginn der Tribünengeraden nur als drittes Pferd hinter Lightning Bo und Laura Vici (Michael Nimczyk) in zweiter Spur, während Girlofmanymissions und Thorsten Tietz sogar durch Spur drei »pflügten« und erst kurz vor Beginn der Schlussrunde an der Seite Cahayas einparken konnten. Innen hatte Isabella Boshoeve (Heinz Wewering) nicht wie erwartet zügig in die Partie gefunden, sondern war drittes Pferd vor Intouchable (Robbin Bot) und Olena (Gerhard Mayr). Weil das Tempo in dieser Phase deutlich verflachte, musste Bakker handeln.

Im Scheitel des Rosenhof-Bogens setzte er Avalon Mists, die ganz offensichtlich nach dem 1983 gesendeten TV-Phantasy-Zweiteiler »The Mists of Avalon« benannt wurde, in dritter Spur ein und erschien rund 150 Meter später bereits an der Seite der Wieserhof-Stute. Cahaya blieb mühelos dran, während Girlofmanymissions bereits hier den Rückzug antrat, so dass die im Sog von Avalon Mists aufgerückte Laura Vici Ende gegenüber wieder in deren Rücken gelangen konnte. Eingangs der finalen Biegung war der Druck, dem Donna Granata nun ausgesetzt war, offensichtlich, Rudi Haller begann zu »wippen«, während Bakker außen saß wie die berühmte »Salzsäule«.

Er wartete noch bis etwa 50 Meter in die Gerade, drückte dann nach einem kurzen Blick über die linke Schulter das Gaspedal durch und konnte schon hundert Meter vor dem Ziel des Sieges sicher sein. In 1:13,4 hatte seine austrudelnde Stute zwar »nur« noch eineinhalb Längen Vorsprung auf die aus dem Windschatten Donna Granatas locker auf den Ehrenplatz laufende Cahaya, die beim erst dritten Start der Karriere zum dritten Mal 1:14 und schneller lief, aber der Einschätzung des Zielrichters, der Erfolg sei »überlegen« ausgefallen, konnte man uneingeschränkt folgen. Heinz Wewering schien mit Cahayas Trainingsgefährtin Isabella Boshoeve kurz den Ehrenplatz beanspruchen zu können, musste sich dann aber doch den besseren Reserven der Love You-Tochter beugen.


Weitere eineinhalb Längen zurück verfehlte Intouchable, die Robbin Bots schonenden Vortrag mit einem engagierten Finish dankte, Rang vier gegen die sich dafür über die Linie rettende Donna Granata nur um einen Schritt, so dass am Ende die vier Vorlaufsiegerinnen unter sich waren.

Mit Olena (Gerhard Mayr), die aus zweiter Reihe kaum besser abschneiden konnte, begann - sechs Längen hinter der Mollema-Stute - bereits die »andere Welt« dieses Rennens, in die auch Laura Vici zurückfiel, an der sich hauchdünn sogar die stets am Schluss auszumachende Lasbekerin Nagama (Christian Lindhardt) vorbei »quetschte«. Der Rest, aus dem sich Unicorn Diamant (Björn Goop) bereits kurz nach dem »Ab« im Galopp verabschiedet hatte, war für diese Aufgabe einfach nicht gut genug.

Mit Avalon Mists, deren Weg mit einer Gewinnsumme von rund 115.000 Euro vorgezeichnet sein dürfte, gewann der fünffache Derby-Sieger Paul Hagoort endlich sein erstes Stuten-Derby. Für den deutschen Trabrennsport ist der 40-jährige Niederländer so etwas wie der FC Bayern München für die Fußball-Bundesliga oder Real Madrid für die Champions League: man muss noch gar nicht wissen, wie die Pferde heißen werden, und kann doch (fast) sicher davon ausgehen, dass er auch im nächsten Jahr wieder zu den Favoriten in den Derby-Entscheidungen zählen wird.

ERGEBNIS

Samstag, 04.08.2018
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Arthur Knauer-Rennen (Finale)
91.877 € - 1900 m - Autostart
Dreijährige Stuten

1.Avalon MistsRobin Rabber1:13,414
2.CahayaDion Tesselaar1:13,648
3.Isabelle BoshoeveHeinz Wewering1.13,758
4.Donna GranataRudi Haller1:13,881
5.IntouchableRobbin Bot1:13,8476
6.OlenaGerhard Mayr1:14,41163
7.NagamaChristian Lindhardt1:14,81480
8.Laura ViciMichael Nimczyk1:14,8184
9.Lusiana BoJaap van Rijn1:15,2388
10.GirlofmanymissionThorsten Tietz1:16,1907
11.Lightning BoJörgen Sjunnesson1:16,3655
 Unicorn DiamantBjörn Goopd.r.167

Avalon Mists - 3j. St. v. Pastor Stephen a.d. Sunshine Bi v. Varenne
Sieg: 14:10 - Place: 14 - 17:10 - Zweierwette: 39:10
Dreierwette: 180:10 - Viererwette: 477:10

»Rauscht in Front und gewinnt« lautete die Experten-Einschätzung über Diablo Simoni vor dem Finale B des Arthur Knauer-Rennens, das der Bezeichnung »Trostlauf« vollumfänglich gerecht wurde. »Trostlos« war schon die Besetzung mit lediglich fünf Pferden, nachdem Calamintha und Uptoheaven Diamant aus dem ohnehin nur siebenköpfigen Feld zurückgezogen werden mussten. Im Kampf um die Führung engagierten sich Lady Star Bo (Michael Nimczyk) und Imax (Yvonne Wagenaar), die sich schließlich kurz nach Erreichen der Tribünengeraden durchsetzte. Die Anhänger der Favoritin dürften schon erste Schweißspuren im Gesicht gehabt haben, als im Rosenhofbogen Smilla (Rob de Vlieger) aufzog und Dion Tesselaar innen blieb.

Zwar zog die von Ready Cash abstammende Diablo Simoni nach gut einer Runde in den Rücken der vermeintlich schärfsten Rivalin, kam dort aber, als sich das Tempo nach »gemütlichen« 1:18,3 für die beiden mittleren Abschnitte wieder verschärfte, Mitte des letzten Bogens fast schon nicht mehr mit. Dass sie am Ende die innen festsitzende Lady Star Bo mit dem letzten Schritt noch vom dritten Platz verdrängte, ist sicher einer gewissen Qualität zu verdanken, die sie aber im Moment offenbar noch nicht zeigen kann. Mit dem Sieg hatte sie jedenfalls nichts zu tun.

Dafür hängte sich Imax, die auf der Anreise wegen einer Autopanne fast acht Stunden auf der Autobahn gestanden hatte, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln rein und verteidigte unter den lautstarken Anfeuerungen Yvonne Wagenaars, die ihr erstes Rennen in Mariendorf gewann (»Ich hab hier ja höchstens drei Fahrten gemacht«), einen »Hals« gegen die kaum weniger fightende Smilla. Hätte sich Will Power (Roland Hülskath) unterwegs »in die Büsche geschlagen«, wäre das kaum aufgefallen, die Abano As-Tochter verlor ohne Fehler noch eine »Weile« auf die Viertplatzierte.

Dass es dafür noch Geld gab, war fast schon eine »Beleidigung« für die Teilnehmerinnen, die im A-Finale leer ausgingen. Die Siegerzeit von 1:15,2 belegte, dass keines dieser Pferde im Arthur Knauer-Hauptlauf etwas zu suchen gehabt hätte.

Dafür, dass am vorletzten Tag der Derby-Woche der Umsatz um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging - was sicher nicht dramatisch ist -, sorgte vor allem das stellenweise katastrophale Rahmenprogramm. Während sich die ohnehin schon nicht üppig besetzten Felder durch Nichtstarter nochmals ausdünnten, waren auch zahlreiche Protagonisten, die sich stellenweise »im Dauereinsatz« befanden, kaum den Anforderungen an Leistungsprüfungen, die Pferderennen ja nun mal sein sollen, gewachsen. Immerhin brachten die zahlreichen Ausfälle vor und während der Rennen dem Veranstalter nochmals 2.700 Euro plus Züchterprämie an Ausschüttungsersparnis.

Im abschließenden Auktionsrennen für Zweijährige kamen von den lediglich sechs Gemeldeten fünf an den Start und nur drei ins Ziel. Ob die Siegerin Cherry Lady S - wie von Trainer Josef Franzl prognostiziert - tatsächlich die »beste Zweijährige« seiner Karriere ist und was das im Gesamtzusammenhang bedeutet, war nach dem 1:18,9 / 1900 Meter-Sieg, der gegen die zumindest »beanstandungsfrei« trabenden, aber »Doppelweile« geschlagenen Jeudi Fortuna (Gerhard Mayr) und Venividivici S (Roland Hülskath) hoch überlegen ausfiel, kaum stichhaltig einzuschätzen. Jedenfalls hatte 14:10-Favorit Spectacular (Hugo Langeweg jun.) noch einen deutlichen Vorsprung auf die Muscle Hill-Tochter, als der Goetmals Wood-Sohn 200 Meter vor der Linie »ansatzlos« ansprang. Übrigens darf man hoffen, dass die Drittplatzierte nicht mehr so häufig in Mariendorf startet, sondern bekommt der Kommentator den »Knoten« nie aus seiner Zunge.

Zu den wenigen positiven Ausnahmen aus sportlicher Sicht zählten New Dawn (Thorsten Tietz) und Prince of Persia (Michael Nimczyk) und die in den beiden Rennen jeweils Zweitplatzierten. New Dawn hielt sich in einem Derby-Pokal der Publikums-Lieblinge in 1:12,7 / 1900 Meter den nach sechswöchiger Pause und beim dritten Jahresstart erstmals geschlagenen Skyfall vom Hals, der »Goldhelm« entschädigte sich für die Niederlage mit dem Mommert-Wallach, der dem von der Spitze aus dem kaum weniger überzeugenden Azimut (Josef Franzl) erfolgreich Paroli bot und dafür einen Schnitt von 1:13,3 benötigte. - (cw)

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