18. Jun. 2018 · 17:24 Uhr ·

Heute keine Veranstaltungen in Deutschland!

Suche nach Leistungsdaten:

Newsflash-Volltextsuche:

Startseite

News-Flash

11. JUN 2018

| NORWEGEN |       | DRUCKVERSION |       | News-Flash als RSS-Feed |

Italienisches Präzisions-Uhrwerk

Jerry Riordan hatte die Jubiläums-Ausgabe des 1966 erstmals ausgetragenen Oslo Grand Prix - damals um die höchst bescheidene Summe von insgesamt 38.000 NKR - für seinen Twister Bi messerscharf analysiert.

»Er ist zu hundert Prozent wieder der Alte, hat hervorragend gearbeitet und mit der 4 einen idealen Startplatz erwischt. Besser hätte ich es mir nicht wünschen können. Wir gehen voller Optimismus ans Werk, aber ein Selbstläufer wird es nicht. Gar nicht so sehr Cyber Lane sehe ich als Gegner, der aus der zweiten Startreihe enorm zu knabbern haben dürfte, sondern Urlo dei Venti. Wir werden Twister nicht wie eine Rakete loslegen lassen. Am besten ist er immer dann, wenn er sich sein Rennen halb verdeckt aufbauen kann«.

Fast alles entpuppte sich als zutreffend, was das 60-jährige Orakel vorhergesagt hatte - nur sein »Wirbelsturm« machte ihm einen dicken Strich durch alle Rechnungen. Christoffer Eriksson vollführte hinter dem Startwagen wahre »Ringkämpfe« mit dem Varenne-Sohn, vermochte einen ersten Fehler beim Beschleunigen mit aller Delikatesse abzufangen und war dann doch wenig später machtlos, als der Sechsjährige vollends aus dem Ruder lief und sich kaum noch einkriegte - perdu war nach nicht mal 100 Metern der Traum von der Mission Titelverteidigung.

»Das ist nun mal sein Charakter, wenn ihm irgendetwas quer läuft. Du musst ihn auf dem richtigen Fuß erwischen, sonst hast du keine Chance. Solche Marotten hat er immer wieder mal - er wird nicht ohne Grund solch einen Namen bekommen haben. Das kannst du auch nicht mehr ändern, höchstens versuchen, ihm alles recht zu servieren. Andererseits - wäre er brav und umgänglich und nicht der feurige Bursche, hätte er sicher nicht so enorme Meriten angesammelt«, hakte Riordan das kapitale Missgeschick rasch ab. Wobei die Frage unbeantwortet bleiben muss, ob er einem entfesselten Urlo dei Venti überhaupt hätte Paroli bieten können.

Der Totalausfall des 19:10-Favoriten kam seinem schärfsten Konkurrenten am Wettmarkt sehr zupass. Enrico Bellei begann mit dem »Lotteria«-Sieger direkt über dem »vom Winde verwehten“ Landsmann und bekam das Drama natürlich hautnah mit. Mit dem wie ein Pfeil losfliegenden Mago-d’Amore-Sohn hatte Italiens nun schon 23facher „Campione« keinerlei Probleme, vor Cokstile, Dreammoko und Cruzado dela Noche in Front zu hechten, wogegen Rajesh Face in der »Todesspur« hängenblieb. Per-Oleg Midtfjeld suchte 500 Meter lang vergeblich, ein Loch zu reißen, um hinter dem Italiener einparken zu können. Ulf Ohlsson hatte genau aufgepasst und stopfte die Lücke mit Cokstile rigoros, so dass der Kolgjini-Schützling zur Freude der hinter ihm aufgefädelten Uza Josselyn, Evil Enok M.E., Cyber Lane und Takethem als Erster an der frischen Luft bleiben musste.

Für die finalen 800 Meter - zu diesem Zeitpunkt beorderte Johan Untersteiner Cyber Lane in Spur drei - wurde der munter dahersprudelnde, ohne Check aufgebotene Urlo dei Venti noch ein bisschen kleiner und windschnittiger und war dabei von Bellei kaum zu bremsen. Cokstile verlor mehr und mehr den Kontakt, so dass die um den allmählich an Grenzen stoßenden Rajesh Face herum lavierte Uza Josselyn in der Schlusskurve im Rücken des Tempomachers tief Luft holen konnte, was ihr jedoch wenig nützte. Wie ein Schweizer Präzisionsuhrwerk spulte der kleine Braune seinen Part herunter, und krachende 1:07,5 für die letzten 500 Meter gaben allen, die da auf einen Einbruch des Zwergs hofften, endgültig den Rest. In 1:10,5 stieß er, turmhoch überlegen um sieben Längen voraus, in Welten vor, die zuvor allein Nuncio 2016 gesehen hatte.


Kaum hatten die Zuschauer diese monströse Gala registriert, durften sie über den nie erwarteten Ehrenplatz eines der Ihren jubeln. Mit dem krassen Außenseiter Evil Enok M.E. hatte Noralf Brækken sich weder von Uza Josselyn noch Cyber Lane in Spur drei locken lassen, sondern war konsequent in der zweiten Linie geblieben. Das zahlte der Fünfjährige, mit sechs Siegen und 1,3 Millionen Kronen auf der Habenseite der »Underdog« des Rennens, mit toller Speed-Münze heim. Ganz spät eingesetzt, schnappte er Uza Josselyn auf den allerletzten Drücker Platz zwei und 750.000 Kronen - seine bislang höchsten Gage - um ein paar Zentimeter vor der Nase weg, wie das Zielfoto auswies.

Eisern biss sich Rajesh Face zu Platz vier vor Cyber Lane, dem nach acht Siegen am Stück, darunter Derby, Breeders Crown, Solvalla Grand Prix und Copenhagen Cup, aus einer Ausgangslage, bei der er sein großes Pfund Startschnelligkeit nicht in die Waagschale werfen konnte, unerwartet kräftig die Leviten gelesen wurden. Für die letzte Prämie legte sich Cruzado dela Noche deutlich besser ins Zeug als der alles schuldig bleibende, auf (zu) vielen weltweiten Hochzeiten tanzende Dreammoko, Takethem sowie der restlos überforderte Cokstile.

Um den überaus beeindruckenden Sieger, für den dies der 15. Erfolg seiner 31 Starts umfassenden Laufbahn war, werden sich die Veranstalter in den kommenden Wochen reißen. »Der Fehler Twister Bis hat natürlich vieles erleichtert. Hinter einem Klassepferd wie ihm zu sitzen, ist ein wahrer Genuss, besonders, wenn es ein Rennen der höchsten Kategorie ist. Wie es für ihn weitergeht? Wir hoffen letztlich, es mal mit ihm in den Prix d´Amérique zu schaffen«, war Belleis Kommentar, der sich in diese noble Osloer Siegerliste, die sich mit Namen wie Rex Rodney, Peace Corps, Sea Cove, Copiad, Ina Scot, Zoogin, Victory Tilly, Gidde Palema, Russel November, Sebastian K., Commander Crowe, Lisa America wie das Who is Who des Trabrennsports liest, erstmals eintrug.

Dass er das weiche Pflaster von Vincennes durchaus mag, hat der Fünfjährige, der sein erstes Ausrufungszeichen mit dem Sieg im Gran Premio Allevatori Weihnachten 2015 gesetzt, dann aber ein geschlagenes Dreivierteljahr gebraucht hat, um daran anzuknüpfen, in diesem Winter bewiesen: Im Prix Marcel Laurent fand er etwas unglücklich als Dritter zu Carat Williams und Day or Night In nie auf freie Bahn, den Prix du Luxembourg brachte er mit fantastischem Speed gegen Une Sérénade und Uza Josselyn auf seine Kappe. - (mw)

ERGEBNIS

Sonntag, 10.06.2018
Oslo / Norwegen
VG Oslo Grand Prix
2.870.000 Nkr - 2100 m - Autostart
FFA

1.Urlo dei VentiEnrico Bellei1:10,553
2.Evil Enok M.E.Noralf Braekken1:11,1729
3.Uza JosselynErik Adielsson1:11,194
4.Rajesh FacePer Oleg Midtfjeld1:11,3182
5.Cyber LaneJohan Untersteiner1:11.446
6.Cruzado dela NochePer Linderoth1:11.7185
7.TakethemSteen Juul1:11,9266
8.DreammokoJorma Kontio1:12,0192
9.CokstileUlf Ohlsson1:12,9571
 Twister BiChristoffer Erikssond.r.19

Urlo dei Venti - 5j. H. v. Mago d´Amore a.d. Armbro Wealthy v. Malabar Man
Sieg: 53:10 - Platz: 24 - 92 - 26:10 - Zwilling: 5.257:10 - Dreierwette: 24.059:10

© 2018 by www.trabtipp.de