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11. FEB 2018

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Geglückte Flucht

Fast mehr Gesprächsstoff als der Sport lieferten zumindest im Bereich der Aktiven die Bahnverhältnisse. Weil es nach den Schneefällen der vergangenen Tage mit jeder Stunde kräftiger zu tauen begann, weichte die Piste mit mehr und mehr durch, was etliche Nichtstarter zur Folge hatte.

Vor dem als achte Prüfung angesetzten Prix Éphrem Houël für die einheimischen Vierjährigen, dem einzigen sechsstellig dotierten Rennen der Karte, schäumte Trainer Franck Leblanc: »Grosbois ist keine 50 Kilometer entfernt - dort sind alle Trainingswege trotz des Schnees perfekt präpariert. Kaum kommen wir nach Vincennes, müssen unsere kostbaren Pferde durch abgrundtiefes Geläuf stapfen - ein Skandal«. Er war nicht der Einzige, der die Bahn-Inspektion verbal »an die Wand nagelte« und sich bis fünf Minuten vor dem Start vorbehielt, Erminig d´Oliverie zu streichen. »Sollte Franck Nivard auch nur die geringste Unpässlichkeit bei der Stute fühlen, hat er Order, sie sofort aus dem Rennen zu nehmen«.

Alexandre Buisson, Ausbilder von Easy des Racques, pflichtete ihm bei: »Unter solchen Bedingungen kannst du speziell ein junges Pferd für den Rest der Laufbahn killen«. Mathieu Mottier sprach nach dem Untergang von Vulcania de Godrel von einem »Zustand der Schande, wie die Strecke präsentiert wird«, Franck Ouvrie von einer »Bahn für Schwimmer und nicht für Rennpferde«, und Christophe Martens wünschte - vielleicht speziell auf Bold Eagle gemünzt, dem solche Verhältnisse überhaupt nicht behagen: »Viel Spaß morgen im Prix de France«. Ob der Zustand tatsächlich der Unfähigkeit der Bahnarbeiter geschuldet war, sei dahingestellt. Schließlich erlebt die Gegend um Paris den nassesten Winter seit Menschengedenken, und in früheren Zeiten hat es solche Schlammschlachten zuhauf gegeben.

Es gab aber auch einige, die sich in ihrem Element fühlten, und zu denen zählte Franck Anne. Mit Elite du Ruel begann er trotz des 2850 Meter weiten Weges resolut und hatte in der Senke von Joinville gut und gern 30 Meter vor den hinterher hechelnden Verfolgern herausgeholt, die von Express Jet vor Eternelle Délo, Espoir Wic, Epatante und Easy des Racques angeführt wurden. Erminig d´Oliverie, mit acht Siegen auf Gruppe-Ebene, darunter jenem prestigeträchtigen im Critérium des 3 Ans, und 657.790 Euro Guthaben mit 25 Meter Zulage bedacht, hielt Franck Nivard nach den Vorgaben ihres Ausbilders bewusst hinten und beschränkte sich auf den zeitig hergestellten Kontakt zum Feld, zumal ihr die Arbeit «rundum beschlagen“ auf diesem Terrain nicht leichter wurde.


Bergauf legte Anne noch eine Schippe drauf, und wer gehofft hatte, der bald auf 50 Meter ausgebaute Vorsprung würde in einem Strohfeuer eingedampft, sah sich gründlich getäuscht. Unverdrossen zog die auf diesem Level sehr erfahrene, aber noch sieglose Tochter aus exzellentem Hause - Mutter bzw. Schwester sind die Gruppe-Sieger Romance du Ruel und Classica du Ruel; ihre Tante Vanika du Ruel hat etwas über eine Million Euro gescheffelt - ihren Gewaltmarsch durch (Zwischen- und Endzeiten haben bei diesem Boden allenfalls statistischen Wert) und kreuzte zwölf Längen voraus zum ersten Gruppe- und zweiten Karriere-Sieg die imaginäre Linie.

Die Plätze zwei und drei gingen an jene, die unterwegs die anderen die Drecks-, sprich Nachführarbeit hatten machen lassen und ihre Reserven so schwungvoll es nur eben ging auf der Zielgeraden in die Waagschale warfen. Dabei hielt der von Jean-Michel Bazire vorgetragene Enino du Pommereux der 25:10-Favoritin Erminig d´Oliverie um eine Länge stand, doch verlangte Nivard seiner Schutzbefohlenen dabei rein gar nichts ab und ließ sie laufen, wie sie wollte. Wieviel Substanz Elite du Ruel dieser Kraftakt gekostet hat, muss die Zukunft zeigen. Ein echter Gradmesser ist dieser Halbklassiker durchaus, in dessen jüngerer Siegerliste sich Namen wie Up and Quick, Draft Life und Elite du Ruels Vater Timoko finden.

ERGEBNIS

Samstag, 10.02.2018
Vincennes / Frankreich
Prix Ephrem Houël
120.000 € - 2850 m - Bänderstart
Vierjährige Stuten & Hengste, mindestens 23.000 €

1.Elite du RuelFranck Anne1:18,9126
2.Enino du PommereuxJean-Michel Bazire1:19,639
3.Erminig d´OliverieFranck Nivard1:19,025
4.Eternelle DéloGabriele Gelormini1:20,1780
5.Easy des RacquesJean-Philippe Monclin1:20,2170
6.Express JetPierre Vercruysse1:20,763
7.Espoir WicDavid Thomain1:20,995
8.EpatanteAnthony Barrier1:20,9500
 Express EveningEric Raffind.r.380
 Elisione MagAlexandre Abrivardd.r.150
-NS-Esperanzo   

Elite du Ruel - 4j. St. v. Timoko a.d. Romance du Ruel v. Jam Pridem
Sieg: 126:10 - Platz: 21 - 17 - 14:10 - Zwilling: 191:10
Drilling: 240:10 - Dreierwette: 1.999:10

Schlamm-Catchen um jeden Zentimeter

Der europäischen Halbmillionären vorbehaltene Prix de Munich, in dem sich nach Absage von Avenir de Blay, Unéro Montaval und Romanesque noch 13 Gespanne um 95.000 Euro balgten, war auf der immer tiefer werdenden Piste nur etwas für echte »bayerische« Muskelpakete. Genau das Richtige also für den vor Kraft nur so strotzenden Afghan Barbés, der in der 2100 Meter-Aufgabe im Bogen von Joinville seiner Lokomotive durch die Außenspur verlustig ging. Dort hatte sich Attacus, sein kürzlicher Bezwinger, endgültig gegen Blitzstarter Coquin Bébé, dem Vulcania de Godrel, Vasco de Viette und Barrio Josselyn folgten, für die Spitze durchgesetzt.

Das Aushängeschild der Ecurie Bigeon interessierte das wenig. Mit Unbridled Charm, Bel Avis, Bad Boy du Dollar, Zonguldak, der am Start an der »9« sofort zurückgenommenen Treasure Kronos und Violine Mourotaise im Schlepp drückte Charles-Julien Bigeon munter auf den Piloten und hatte ihn an der letzten Ecke gekillt, als über Spur vier Jean-Michel Bazire mit Bel Avis zur finalen Auseinandersetzung bat. Weit vor dem Rest kämpften die beiden Wallache um jeden Zentimeter, wobei der »Maître« mit dem aus der Biegung mitgebrachten Schwung bereits um einen »Hals« im Vorteil war. Doch drängelte sein Partner - wie schon beim jüngsten Erfolg - immer weiter nach innen, kam allmählich in die Spur des Gegners und verlor das vermutlich entscheidende Momentum, als ihn Bazire korrigierte, um einer später durchaus möglichen Disqualifikation vorzubeugen.

Der wie ein Löwe fightende Afghan Barbés nutzte diese minimale Schwäche entschlossen und brachte die Nase ein paar Zentimeter eher als Bel Avis ins Ziel, wie das Foto auswies. »Bei den jüngsten beiden Niederlagen war er deutlich voraus und hat dann ein wenig den Betrieb eingestellt, so dass er die Angreifer nicht mehr kontern konnte. Heute hatte er die Gegner stets auf Augenhöhe und hängte sich bis zum Schluss fantastisch rein«, resümierte ein völlig »verdreckter« Bigeon junior.


Zwei Längen hinter den beiden grandiosen »Kampfschweinen« unterstrich der Matthieu Abrivard anvertraute Bad Boy du Dollar die derzeit tolle Form seines Trainers Sylvain Roger und holte sich mit eben solchem Vorsprung Rang drei vor dem überraschend zähen Außenseiter Coquin Bébé, der seinerseits Unbridled Charm klar abschüttelte. Der völlig »erschossene« Attacus kam als Achter ohne Prämie nach Hause, und nicht minder arg gerupft wurde, wie von Gelormini im Vorfeld befürchtet, Treasure Kronos: »Startplatz neun ist schon prekär, und den Deckel drauf macht die tiefe Bahn - das mag sie gar nicht«.

Wie schwer das Geläuf war, verdeutlicht die Siegzeit: Mit 1:17,2 waren die ersten Beiden fast fünf Sekunden (!) langsamer als Vorjahrssieger Sauveur, der 1:12,3 benötigt hatte.

ERGEBNIS

Samstag, 10.02.2018
Vincennes / Frankreich
Prix de Munich
95.000 € - 2100 m - Autostart
6j. bis 10j. Europäer, nicht mehr als 525.000 €

1.Afghan BarbésCharles Julien Bigeon1:17,228
2.Bel AvisJean-Michel Bazire1:17,239
3.Bad Boy du DollarMatthieu Abrivard1:17,4210
4.Coquin BébéAdrien Lamy1:17,5750
5.Unbridled CharmJean-Philippe Dubois1:17,8200
6.Vasco de VietteVincent Seguin1:17,9770
7.Vulcania de GodrelMathieu Mottier1:18,0270
8.AttacusEric Raffin1:18,156
9.Barrio JosselynFrançois Lagadeuc1:18,2920
10.Violine MourotaiseDavid Thomain1:18,2320
11.Treasure KronosGabriele Gelormini1:18,279
 Rod StewartFranck Ouvried.r.330
 ZonguldakChristophe Martensd.bl.280
-NS-Unero Montaval   
-NS-Avenir de Blay   
-NS-Romanesque   

Afghan Barbés - 8j. W. v. Meaulnes du Corta a.d. Nuance Barbés v. Buvetier d´Aunou
Sieg: 28:10 - Platz: 13 - 17 - 29:10 - Zwilling: 41:10
Drilling: 379:10 - Dreierwette: 920:10

Die Gunst der schlammigen Stunde nutzte im Prix de Lisieux, einem Trabreiten für die gehobene Garnitur, Vinci Pierji zum bestdotierten seiner nunmehr 15 Volltreffer. Der bei 63 Engagements nur zwei Mal nicht unter dem Sattel eingesetzte Fuchs mit der breiten Blesse übernahm aus dem Windschatten des am besten in Gang gekommenen Tell Me No Lies nach 600 Metern das Kommando, ließ bald Reckless hinter sich einparken und stand sein Pensum eisern durch.

Weder die die zweite Reihe anführende Américaine noch deren Verfolger Shadow Gar und Roxanne Bar vermochten ihm ernsthaft am Zeuge zu flicken - und Reckless schon gar nicht. Der Schützling Björn Goops, der nach seinem ersten, leicht gewonnenen Monté-Einsatz in Schweden auch in Vincennes gleich zum Zuge, im Prix de Cornulier als Zehnter jedoch kräftig unter die großen Räder gekommen war, wurde seiner Favoritenstellung bereits eingangs des Schlussbogens nicht gerecht und endete weit zurück als Sechster. Kitzlig wurde es für Vinci Pierji, als er Matthieu Abrivard Mitte der Zielgeraden etwas nach außen wich - eine Einladung zum »Dolchstoß«, die Tell Me No Lies dankend annahm.


Voll zog der neun Jahre alte Schwede jedoch nicht durch, zumal David Thomain ihn wegen drohender Gangartprobleme nicht bis zum Äußersten zu fordern vermochte, die »Enquête« aber zu Recht überstand und eineinhalb Längen hinter dem 172:10-Sieger den Ehrenplatz behalten durfte. Mit ähnlichen Abständen führten sich Shadow Gar, für die es beim dritten Ausritt die erste Niederlage setzte, und die spät gebrachte Adélia de Mélodie die nächsten Prämien zu Gemüte.

Auch Gilda Newport musste für ihren zweiten Versuch auf dem Plateau de Gravelle im Prix de Verneuil für fünfjährige Stuten, die noch keine 152.00 Euro verdient hatten, über 2850 höchst anspruchsvolle Meter durch den Morast, um an Teile der ausgelobten 72.000 Euro zu gelangen. Dion Tesselaar scheuchte die bei 130:10 gehandelte Donato Hanover-Tochter schnell nach vorn, reichte die Führung zügig an Una Bella Gar weiter und war nach einem weiteren Führungswechsel zu Dominicana Dritter innen. Nach dem Galopp-Ausfall der Führenden kurz nach der Einmündung der kleinen Bahn tat sich für die deutsche Stuten-Derby-Siegerin eine Lücke auf, durch die sie sich allmählich weit nach außen in die fünfte Spur lavierte.

Déesse des Landes, die Laurent-Michel David konsequent durch die Angriffsspur lanciert hatte, war da schon überlegen auf drei Längen von Décennie weg, die sich ab dem Gipfel des Anstiegs immer stärker in Spur drei bemerkbar gemacht hatte und sich genauso leicht den Ehrenplatz einklinkte. Danseuse du Citrus hingegen war in Schlagweite der Deutschen, die sie dann doch um einen Kopf verfehlte und sich für den ordentlichen vierten Rang 5.760 Euro einstecken durfte. - (cw)

ERGEBNIS

Samstag, 10.02.2018
Vincennes / Frankreich
Prix de Verneuil
72.000 € - 2850 m - Bänderstart
Fünfjährige europäische Stuten, nicht mehr als 152.000 €

1.Déesse des LandesLaurent-Michel David1:21,940
2.DécennieMathieu Mottier1:22,1120
3.Danseuse du CitrusDavid Thomain1:22,2530
4.Gilda NewportDion P. Tesselaar1:22,2130
5.Una Bella GarGabriele Gelormini1:22,3690
6.Danse d´EtangChristian Bigeon1:22,448
7.Xperia KnickDominik Locqueneux1:22,6130
8.Dolce Vita GriffEric Raffin1:22,7210
9.DouloureuseQuentin Machet1:25,3550
 Darling LorraineFranck Anned.r.250
 Darling BerryJean-Michel Bazired.r.69
 DominicanaLouis Baudrond.r.64
 Danaé de la FretteFranck Nivardd.r.180

Déesse des Landes - 5j. St. v. Millennium Wood a.d. Tifosa v. Cygnus d´Odyssee
Sieg: 40:10 - Platz: 19 - 34 - 106:10 - Zwilling: 261:10
Drilling: 4.819:10 - Dreierwette: 9.611:10

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