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4. DEZ 2017

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Bel Avis und der alte »Tiger«

Nach dem Prix Maurice de Folleville, der Schlussetappe des seit 1983 ausgetragenen Grand National du Trot, der zuvor vom 8. März in Amiens bis zum 22. November in Rouen-Mauquenchy auf 13 Stationen kreuz und quer durch die Grande Nation gezogen ist, hatten viele der 18 Teilnehmer allen Grund zum Strahlen.

Allen voran Jean-Michel Bazire, der wie im Vorjahr mit Aubrion du Gers, dem als Sieger des U.E.T-Masters-Finales »amtierenden Europameister«, dieses Mal mit dem speziell auf diese 150.000 Euro wertvolle »Clôture« präparierten Bel Avis der Konkurrenz eine Lehrstunde hinsichtlich Renntaktik und optimale Match-Vorbereitung erteilte und die größte Beute viel leichter schlug, als es der bloße Abstand von eineinhalb Längen zur Zweiten, Vulcania de Godrel, vermuten ließe.

Fast noch mehr jubelte das Team der Ecurie Danover um Stéphane Provoost, und das, obwohl ihr Tiger Danover lediglich als Fünfter anschlug. Mit einem Sieg des Ipsos de Pitz-Sohnes gerechnet hatte es genauso wenig wie die Wetter, die ihn für 31-fachen Einsatz losließen. Für den eisenharten Braunen, den »Chouchou (Liebling) unserer Trainieranstalt«, wie Provoost verraten hatte, der bei allen 13 Etappen mitgeturnt, die in Le Mans gewonnen hatte und als Spitzenreiter des Gesamtklassements antrat, ging es beim 176. Start seiner am 31. Dezember zu Ende gehenden Laufbahn allein darum, das imaginäre »Maillot Jaune« zu verteidigen. Weil es in diesem Finale um die doppelte Punktzahl ging, kamen allein Stallgefährtin Ursa Major, die ihn auf allen Stationen begleitet hatte, und Violine Mourotaise für einen Umsturz in Frage.

Für diese Aufgabe hatte sich Provoost der Dienste Matthieu Abrivards versichert, der sich an Violine Mourotaise’ Sulky förmlich festschraubte. Deren Equipe versuchte alles, dem »Tiger« das Gelbe Trikot noch vom Leib zu reißen: Beim 80. Versuch trat die Le Retour-Tochter erstmals rundum ohne Eisen an - und machte ihre Sache ausgezeichnet. Aller Einsatz und ein brillanter dritter Rang nutzten der Stute jedoch wenig: Weil Tiger Danover mit der Kraft gleich zweier Kämpferherzen ausgestattet zu sein scheint und als nicht weit distanzierter Fünfter die nötigen Punkte einheimste, spielte die Stute von Trainer Emmanuel Raulline im Gesamtklassement doch nur die zweite Geige.

»Er ist unser Timoko«, strahlte Provoost in Anspielung an den nicht minder harten gewinnreichsten Traber aller Zeiten, der seine Karriere ja bereits im August beendet hat, »er hat sich in seiner letzten Saison noch mal mit allem, was er hatte, reingehängt und bei 25 Starts zwar nur einmal die Linie als Erster passiert, aber 87.210 seiner insgesamt 563.680 Euro zusammengetrabt. Damit hat er keinen Platz in den Top Ten seiner Generation, wohl jedoch einen in den Herzen der französischen Traber-Fans sicher«.

Der Rennverlauf

Für schwache Nerven war der Rennverlauf speziell in der Anfangsphase nichts, weil sich die hoch gehandelten Cantin de l´Eclair und Baxter du Klau, dieses Mal mit Franck Nivard liiert, zu Beginn bzw. nach wenigen hundert Metern Galoppaden leisteten, die sie nicht die weitere Teilnahme, jedoch mindestens 30 Meter Boden kosteten. Im Gegensatz zu ihnen war Brune des Forges am schnellsten flott und wurde mit Einbiegen auf die Tribünengerade von Best Buissonay abgelöst, an dessen Seite sich trotz jener Schrecksekunden bald Cantin de l´Eclair und zu Beginn des Bogens von Joinville Baxter du Klau legte. Hinter den erklärten Mitfavoriten hatte Bazire seinem Bel Avis wie von Zauberhand mal wieder ein ideales Plätzchen verschafft und seinerseits Violine Mourotaise und Tiger Danover im Gepäck.

Bei nicht allzu hoher Fahrt schritt der »Maître« 800 Meter vor dem Ziel zur entscheidenden Attacke, die die beiden »Galopper« nicht zu parieren vermochten. In Windeseile löste der »Wildensteiner« den Piloten ab, und hatte, weil »JMB« das Gaspedal gleich durchgedrückt hielt, zu Beginn der Zielgeraden vier Längen Vorsprung herausgeholt. Das reichte ganz bequem, um die hinterher hechelnde Meute bombensicher in Schach zu halten. Für Momente schien Aufor de Mire, der als Einziger Bazires Generalangriff halbwegs zu folgen wusste, die besten Chancen auf den Ehrenplatz zu haben, doch reichten seine Reserven nicht, so dass er im dichtgedrängten Pulk, der sich um die lukrativen Plätze balgte, als Neunter sogar aus den prämierten Ränge fiel. Den besten »Durchzug« entwickelte die sich an den Bigeon-Schützling ankoppelnde Vulcania de Godrel, deren Ehrenplatz genauso im Rahmen lag wie Platz drei von Violine Mourotaise.

Pech hatte Vanderlov, der als Dritter der zweiten Linie im dichten »Verkehr« der finalen Geraden erst spät eine Lücke fand, um seine Reserven auszuspielen; sonst wäre vielleicht mehr als nur die vierte Prämie drin gewesen. Und dann war da noch Tiger Danover, der eisern durchzog und sehr klar vor dem Rest als Fünfter den Triumph fürs Gesamtklassement perfekt machte. Sichtlich erleichtert war Bazire: »Bel Avis war einfach grandios. Unterwegs hatte ich einige Bedenken, weil wenig Tempo im Spiel war. Aber mein Pferd war gespannt wie ein Bogen und flog förmlich los, als ich ihm am Ende des Anstiegs den Kopf freigab. An der Einmündung der kleinen Bahn war ich schon sehr zuversichtlich, dass wir das Ding nach Hause schaukeln würden«.

Das Video des Rennens sehen Sie hier.

ERGEBNIS

Sonntag, 03.12.2017
Vincennes / Frankreich
Clorure du Grand National du Trot
150.000 € - 2850 m - Bänderstart
5j. bis 10j. Inländer

1.Bel AvisJean-Michel Bazire1:14,431
2.Vulcania de GodrelAnthony Barrier1:13,8120
3.Violine MourotaiseDavid Thomain1:13,997
4.VanderlovEric Raffin1:14,5160
5.Tiger DanoverMatthieu Abrivard1:14,0310
6.Beauté de BaillyDamien Bonne1:14,8510
7.Arthuro BoyYves Dreux1:14,8940
8.Unero MontavalGabriele Gelormini1:14,2450
9.Aufor de MireCharles Julien Bigeon1:14,9170
10.Cantin de l´EclairTony Le Beller1:15,060
11.Vénus de BaillyBruno Bourgoin1:14,41180
12.Baxter du KlauFranck Nivard1:15,151
13.Ultimate du RibJean-Loïc Claude Dersoir1:14,51520
14.Best BuissonayJérémy Gaston Van Eeckhaute1:15,1620
15.Brune des ForgesMathieu Mottier1:15,2610
16.Ursa MajorPierre Christian Jean1:14,61170
17.Anette du MirelFranck Ouvrie1:14,7910
 Val RoyalAlexandre Abrivardd.r.220

Bel Avis - 6j. W. v. Ganymede a.d. Gloria Maris v. Workaholic
Sieg: 31:10 - Platz: 16 - 26 - 27:10 - Zwilling: 189:10
Drilling: 509:10 - Dreierwette: 1.451:10

Fulminantes Monté-Debüt

Eingeleitet wurde der bei 4 Grad und gelegentlichem Nieselregen unangenehme Nachmittag im Prix Philippe du Rozier für die vierjährigen französischen Satteltraber mit dem Sieg eines Außenseiters. Immer wieder verblüfft, wie sich Debütanten dieses Metiers auf Anhieb gegen erfahrene Recken aus der Affäre ziehen. Das war bei Co-Favorit Dexter Fromentro so, der sich - abgesehen von einem die »rote Karte« einbringenden ersten Monté in Cabourg im Juli - beim »Reset« mit zwei blitzsauberen Siegen für diese Sprintprüfung über 2175 Meter empfohlen hatte, aber viel zu behäbig in Gang und lediglich als Schlusslicht des schmalen Achterfeldes unterkam.

Seinen Part übernahm der erstmals unter dem Sattel aufgebotene Driver Cadence. Der Fuchs mit der schmalen Blesse war bislang ausschließlich vor dem Sulky unterwegs, und auch dort hielten sich seine Meriten in Grenzen. Einmal auf halbklassischem Level engagiert und mit Platz fünf im Prix Phaëton am 8. April heimgekommen - das war die einzige erwähnenswerte Ausbeute des Schützlings von Emmanuel Allard. Mathieu Mottier ließ sich von einer derart mageren Bilanz nicht schrecken und suchte sein Heil in einem Tempolauf von der Spitze. Dragon d´Avril und Dolce Vita Griff ordneten sich hinter ihm ein.

Dreamer Délo, bis zu seiner neunmonatigen Pause erster Monté-Primus dieser Generation, war sich bei kernigem Tempo knapp über 1:10er nicht zu schade, für Favorit Dragon du Fresne, die in der Senke rumpelnde Daïda de Vandel und Dexter Fromentro die äußere »Lokomotive« zu geben. Dusty Wood hatte sich 200 Meter nach dem Start im Galopp aus der Parforcejagd ausgeklinkt. Als Dreamer Délo 600 Meter vor dem Ziel von der Führungsarbeit genug hatte und sich nach innen abseilte und auch Dragon d´Avril allmählich schwere Beine bekam, trat Dragon du Fresne auf den Plan.

Alexandre Abrivard schien mit dem 588.910 Euro schweren »Geldschrank«, dem solche Aufgaben seit zwei Jahren das tägliche Brot sind, den Piloten ein wenig zu unterschätzt zu haben. Der dachte gar nicht daran, vor großen Namen zu kuschen, legte in einem mitreißenden Finish immer wieder ein Schippchen drauf und rettete sich mit einer halben Länge zu seinem ersten Gruppe-Sieg, für den er noch eine Enquête überstehen musste. Schnellster auf der Zielgerade war Dexter Fromentro, der zu spät auf Hochtouren lief und am Ehrenplatz um eine Nasenspitze vorbeischrammte.

ERGEBNIS

Sonntag, 03.12.2017
Vincennes / Frankreich
Prix Philippe du Rozier
120.000 € - 2175 m - Bänderstart - Reiten
Fünfjährige Stuten & Hengste, mindestens 54.000 €

1.Driver CadenceMathieu Mottier1:13,1127
2.Dragon du FresneAlexandre Abrivard1:13,116
3.Dexter FromentroCamille Levesque1:13,149
4.Dreamer DéloDamien Bonne1:14,3200
4.Dragon d´AvrilAdrien Lamy1:13,8130
6.Daïda de VandelLéo Abrivard1:15,2260
7.Dolce Vita GriffEric Raffin1:15,2240
 Dusty WoodYoann Lebourgeoisd.r.130

Driver Cadence - 4j. H. v. Saxo de Vandel a.d. Rose Pourpre
Sieg: 127:10 - Platz: 19 - 12 - 13:10 - Zwilling: 79:10
Drilling: 233:10 - Dreierwette: 3.036:10

Vier Wochen nach dem Sieg in Saint Galmier bot Mario van Dooyeweerds Shark Attack nun auch auf dem Plateau de Gravelle eine vorzügliche Leistung. Im Prix de l´Eure (54.000 Euro / 2850 Meter) gehörte der bereits neunjährige Wallach von Beginn an zu den Aktivposten, wurde aber durch zahlreiche Positionskämpfe im Laufe des Rennens bis ins »tiefe« Mittelfeld zurückzuschieben.

800 Meter vor dem Ziel wirkte der Deutsche beim Versuch, in Spur drei die Lage zu verbessern, nicht wirklich zwingend, bekam dann aber in Bingo d´Attaque (Gabriele Gelormini) ein kurzfristiges Führpferd und war, als die klar führende Alinéa (Damien Bonne) ausgangs des Schlussbogens mit klarer Führung unvermittelt patzte, sofort wieder auf der Höhe des Geschehens. 150 Meter vor dem Ziel sah es sogar so aus, als könne der 150:10-Außenseiter das Rennen sogar gewinnen.

Dann aber fand der bei 182:10 sogar noch etwas weniger beachtete Allegro Nonantais nach einer wahren »Slalomfahrt« von Matthieu Abrivard hart innen eine Passage und gewann nach einem entschlossenen Einsatz am Ende sogar noch sicher mit einer Länge. Aus einem dichten Pulk kämpfender Pferde behielt Shark Attack für den 13.500 Euro wertvollen Ehrenplatz die Oberhand gegenüber Astre d´Eglefin, Big Headache und Rapide du Pommeau. - (mw)

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