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13. NOV 2017

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Der Kommentar: Den Sieg »gestohlen«

Der Trabrennsport, das ist keine wirklich neue Erkenntnis, gehört zu den wenigen Sportarten - ganz ehrlich gesagt, mir fällt im Moment keine weitere ein - die in unterschiedlichen Ländern nach unterschiedlichen Regeln ausgetragen wird.

Für die Popularität der Sportart ist das ziemlich schädlich. Und für die, die mit diesem Sport ihr Geld verdienen müssen, ungleich schädlicher. Jerry Riordan und Wilhelm Paal haben mit Ringostarr Treb ein Pferd nach Friesland gebracht, das - zumindest an diesem Tag - den zehn Konkurrenten in des Wortes wahrstem Sinne »um Längen« überlegen war. Die Leistung des gesamten Teams war einfach großartig.

Und sie wird ad absurdum geführt, weil einige Funktionäre, nennen wir sie Schiedsrichter, die ihr Amt »hobbymäßig« ausüben, sich einfach nicht die Mühe machen, darüber nachzudenken, warum es eine Regel gibt, die das Verlassen des Renn-Geläufs mit Ausschluss bestraft.

»Sinn und Zweck der Vorschrift« ist bei den Juristen eine von mehreren Auslegungs-Methoden »gesetzlicher« Vorschriften, zu denen man ganz sicher auch Sport-Regeln zählen kann. Sinn und Zweck des Ausschlusses von Gespannen, die das Geläuf während des Rennens nach innen ganz oder teilweise verlassen, ist es, zu verhindern, dass sich jemand einen Vorteil verschafft, indem er einen Gegner innen überholt und dabei, weil der Raum dort nicht ausreicht, einfach eine »Abkürzung« über den Innenraum nimmt.

Eine solche oder auch nur eine vergleichbare Situation war aber in Wolvega überhaupt nicht gegeben. Ringostarr Treb führte zum Zeitpunkt des (formalen) Regelverstoßes mit großem Vorsprung, darüber hinaus gab es zunächst nur zwei Berührungen, bevor ein Begrenzungs-Pylon innen überfahren wurde.

»Regeln sind dazu da, eingehalten zu werden«, mögen sie nun sagen, und prinzipiell haben sie damit auch Recht. Aber ebenso, wie ein »unabsichtliches« Handspiel im Strafraum beim Fußball in der Regel nicht zum Elfmeter führt, hätte man hier erkennen müssen, dass das Berühren bzw. minimale Unterfahren der Pylonen nicht in der Absicht geschah, sich einen Vorteil zu verschaffen, und dass es letztlich auch keinen Vorteil gab.

In Deutschland (siehe entsprechende Passage im Artikel) wäre das genauso bewertet worden, und ich hätte es bis heute für unmöglich gehalten, dass ich jemals behaupten würde, Regel-Auslegungen bzw. Anwendungen in Deutschland seien besser (weil sinnvoller) als anderswo - und doch ist es so. Allerdings nur in diesem Ausnahmefall, denn der bei uns gehandhabte Ausschluss von Pferden, die nur einen Gegner gestört oder behindert haben und trotzdem - ohne Bewertung des jeweiligen Einzelfalles - rigoros komplett eliminiert werden, ist ja auch nicht jedermanns Sache.

Und während man in Frankreich zum 1. Dezember zwei falsche Schritte mehr (sieben statt bislang fünf) auf den letzten 200 Metern erlaubt, wird hierzulande beim ersten Ansatz eines Fehlers ebenfalls ohne Unterschied disqualifiziert. Es gäbe also genügend Gründe, sich innerhalb der U.E.T., zu deren Versammlungen der HVT-Präsident ja stets gern nach Paris reist, endlich auf eine Harmonisierung solch unterschiedlicher Regel-Handhabungen zu verständigen. Hoffentlich stimmt wenigstens das »Gerücht«, dass die gerade beschriebene Regel in Störungs- und Behinderungsfällen zum 1. Januar 2018 geändert werden soll und das früher übliche »Zurücksetzen hinter den Behinderten« seine Renaissance feiern soll.

Jerry Riordan, Wilhelm Paal und den Besitzern von Ringostarr Treb nutzt das freilich nichts, sie sind die Kohle los und werden so schnell sicher nicht wieder nach Holland kommen, wo man ihnen den Sieg im Prijs der Giganten im wahrsten Wortsinne »regel(ge)recht gestohlen« hat. - Christian Warnke

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