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7. AUG 2017

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Hagoort & Bakker - in einer Liste mit Großmann & Mills

So ist das mit den Deutschen und den Holländern - wir Westdeutsche fahren zum Einkaufen nach Venlo oder Arnheim, und ein gewisser Paul Hagoort fährt seit nunmehr acht Jahren am ersten August-Wochenende aus dem kleinen Dorf Oldetrinje in den Niederlanden regelmäßig »zum Derby-Gewinnen« in die deutsche Hauptstadt Berlin.

Nicht anders war es an diesem 6. August 2017, über dessen Hauptrennen, das mit 251.408 Euro (von denen 2.000 Euro nicht ausgegeben wurden, weil es keinen Achtplatzierten gab) dotierte, 122. Deutsche Traber-Derby, in den Tagen vor der Entscheidung viel geschrieben und sicher noch mehr gesprochen wurde. Obwohl eigentlich mindestens so offen wie im Vorjahr, waren es in erster Linie die Namen Portland und Mister Ed Heldia, die nach den Qualifikationen als Favoriten genannt wurden, oder der des alles in allem unglücklichen Pelle Barosso, dem das Pech auch nach dem Vorlauf weiter treu blieb - er fing sich eine Erkältung ein und reiste erst gar kein zweites Mal nach Berlin.

Trotzdem war die Hoffnung groß, dass die roten Farben von Marion Jauß endlich einmal bei der Siegerehrung im wichtigsten Rennen der Dreijährigen auftauchen würde, doch wie schon tags zuvor, als die roten Farben der favorisierten Alegra B es nur bis in den ersten Bogen geschafft hatten, bevor sich die Andover Hall-Tochter der Familie Berchtold bei einer Galoppade in die Fesselbeuge trat und ausfiel, hatte auch Portland nicht seinen besten Tag. Man mag darüber streiten, ob er ohne den Schlenker Mitte der Zielgeraden nach innen und ans Rad von Mister Ed Heldia, den dadurch bedingten Stopp und die nachfolgende Galoppade gewonnen hätte oder nicht - Marion Jauß scheint, wie es einer unserer User schrieb, wohl der »FC Schalke 04 unter den Besitzern von Derby-Startern« zu sein.

Immer Teil der Gespräche war sicher auch der Name Tsunami Diamant, nicht zuletzt weil er in seinem Vorlauf für die erste Niederlage für Mister Ed Heldia gesorgt hatte und sein Trainer sowie Fahrer Robin Bakker in den beiden Jahren zuvor mit Ferrari Kievitshof und Muscle Scott das Blaue Band bereits zwei Mal in Folge gewonnen hatten. Aber irgendwie hatte man in den Diskussionen stets den Eindruck, dass man den am 21. Mai erstmals gestarteten Gustav Diamant-Sohn wegen seiner vergleichsweise geringen Erfahrung nicht so recht »für voll« nahm. Im »Rennen der Rennen« zeigte der Hengst, in den sich nach dem ersten Sieg in Gelsenkirchen der passionierte Johann Holzapfel eingekauft hatte, dass man auch ohne große Routine ein solches Rennen gewinnen kann, wenn Vorbereitung und Rennverlauf am »Tag X« stimmen.

Dabei ging es auch dieses Mal nicht ohne einen echten »Aufreger« ab, und ohne »mit Gewalt« einen Schuldigen festmachen zu wollen, wäre wahrscheinlich alles halb so schlimm gewesen, hätte sich Peter Fahrentholz als Kommentator der Derby-Entscheidung an die Weisheit »Si tacuisses philosophus mansisses« (was man u.a. mit »Hättest Du geschwiegen, hättest Du Dir keine Blöße gegeben« übersetzen kann) gehalten und nicht kurz nach der Zieldurchfahrt erschreckt bekannt gegeben, dass die Zielfotografie ausgefallen sei. Ein auf deutschen Rennbahnen angesichts eines »Renovierungs-Staus«, der häufig das technische Equipment betrifft, nicht ungewöhnlicher Zwischenfall, der normalerweise nur dadurch bekannt wird, dass im Rennbericht die Zeitmessung als »ausgefallen« bezeichnet wird.

In diesem Fall war die Bekanntgabe dieses »Defekts« besonders unglücklich, weil der früh nach vorn gezogene Flying Fortuna (Christoffer Eriksson) die »gedachte« Ziellinie an der Innenkante erreichte und Tsunami Diamant sie ungefähr in siebter oder gar achter Spur »überfuhr«, wobei die vielfach geäußerte Ansicht, er sein »in unmittelbarer Nähe der Hecke« gewesen, weder durch die eigene Beobachtung des Chronisten noch durch die Video-Aufzeichnung gestützt wird. Nach § 86 Abs. 1 TRO stellt die Rennleitung - deren Mitglied der Zielrichter seit einiger Zeit ist - die Reihenfolge der im Ziel einkommenden Pferde… fest und macht aus dem vorläufigen Richterspruch … unverzüglich nach dessen Bekanntgabe einen endgültigen. Diese Feststellung ist unanfechtbar. Von einem »Zielfoto«, dessen Fehlen im vorliegenden Fall von Vielen als Ursache allen Übels angesehen wurde, ist in der gesamten Vorschrift überhaupt nicht die Rede.

Der Zielrichter musste nach eigener Wahrnehmung entscheiden, und er tat es so, wie man es nach der zur Verfügung stehenden Fernseh-Aufzeichnung, die zugegebenermaßen nicht die Position der Zielkamera hat, als einzig zugänglichem Hilfsmittel nur tun konnte. Hält man nämlich das Video wahlweise zu dem Moment an, an dem Tsunami Diamant außen oder Flying Fortuna innen an der gedachten Linie sind, so fällt zu jedem Zeitpunkt die Differenz zwischen den beiden Pferden jeweils so eindeutig zugunsten Tsunami Diamants aus, dass es jeglicher Wahrscheinlichkeit widerspricht, dass ein funktionierender Zielfilm ein anderes Ergebnis gezeigt hätte - auch kein »totes Rennen«, wie einige, zu »salomonischen« Entscheidungen neigende Beobachter gefordert hatten.

Ebenso wenig gibt es Anhaltspunkte dafür, dass tatsächlich ein Zielfoto existiert hat, auf dem der weit außen trabende Tsunami Diamant nicht zu sehen war und dass man deshalb als »unbrauchbar« eingestuft habe. So wird also zum ersten Mal in der Geschichte des Derbys ein Sieger »ohne Zeit« in den Annalen geführt, denn die ursprünglich im Rennbericht vermerkte Siegerzeit von 1:12,6, mit der - wäre sie elektronisch gemessen worden - der Sieger den Rennrekord aus dem Vorjahr nur um ein Zehntel verfehlt hätte, wurde am Montagmorgen wieder gelöscht, nachdem man sich offenbar des Widerspruchs zwischen »fehlendem Zielfoto« (von dem man die Zeit hätte ablesen können) und der wahrscheinlich »handgestoppten« Zeit, die man bekannt gab, vergegenwärtigt hatte - was natürlich für das Vertrauen in die gesamte Entscheidung nicht eben förderlich war.

Man kann deshalb nachvollziehen, dass Flying Fortunas Besitzer Niels Thomsen angesichts dieser wenig glücklichen Handhabung mit dem Gedanken spielt, den Vorgang gerichtlich überprüfen zu lassen, wie er gegenüber dem Chronisten am Montag vor Abflug in einen dreiwöchigen Urlaub erklärte. Wir hoffen aber, dass er sich der vorstehend beschriebenen Argumentation überzeugen lässt und seine Überlegungen zu dem Ergebnis führen, davon Abstand zu nehmen.

Der Rennverlauf

Nicht der eigentlich dort erwartete Velten Las Vegas (Rick Ebbinge), sondern der von der nach dem Fernbleiben Pelle Barossos von der »6« loslegende Flying Fortuna (Christoffer Eriksson) holte sich unmittelbar nach dem »Ab« die Führung gegen den Schützling von Jeroen Engwerda und Mister Ed Heldia, mit dem Björn Goop ausgangs des ersten Bogens kurz an die Innenkante wechselte. Dagegen sprang TomNJerry Diamant (Michael Nimczyk) schon nach 50 Metern auf der Suche nach einer Position, so dass der während der Derby-Woche sage und schreibe 21 Mal (!) erfolgreiche deutsche Champion seine Derby-Ambitionen um ein weiteres Jahr verschieben musste.

Ebenfalls früh aus der Partie war nach einer heftigen Galoppade im ersten Bogen Baxter Hill (Michael Schmid), während der »unter pari« gewettete Portland (Roland Hülskath) vorübergehend an Position vier Stellung bezog und zu Beginn der Geraden in dem wieder nach außen wechselnden Mister Ed Heldia eigentlich das ideale Führpferd bekam. Hinter ihm schien das auch Robin Bakker zu denken, der in den Windschatten des Favoriten wechselte, während Thorsten Tietz mit Ganyboy, der ja erst durch die nachträgliche Disqualifikation von Kentucky Bo als Dritter seines Vorlaufs überhaupt ein Finalticket bekommen hatte, die frei gewordene Innenkante zu einer nachhaltigen Positionsverbesserung nutzte.

Deutlich hinter ihm war Rudi Haller mit Power of Rhythm viertes Pferd innen, neben ihm trabte Harbour Eightysix (Hugo Langeweg jun.) vor Mc Arthur (Michael Larsen). Aus dem Rosenhof-Bogen heraus verschärfte Eriksson vorne die Fahrt und riss sofort ein Loch zu Velten Las Vegas, zu dem im Laufe der Gegenseite Mister Ed Heldia aufrückte, während sich am Ende auch Power of Rhythm durch eine Unsicherheit um seine ohnehin nicht üppigen Chancen brachte. Eingangs zum Schlussbogen presste sich Mister Ed Heldia auf Rang zwei vor, war aber schon sichtbar unter Druck, so dass Roland Hülskath mit Portland bereits in Spur drei orientierte und Robin Bakker ihm dabei wie ein Schatten folgte.

Im Scheitel der Biegung war Velten Las Vegas mit den Kräften am Ende, Thorsten Tietz bemerkte das rechtzeitig und lavierte Ganyboy um den Wallach herum, um aber nach Beendigung des Manövers, das bis kurz nach Erreichen der Zielgeraden dauerte, sofort wieder nach innen abzutauchen. Der mit zwei Längen Vorsprung in den Einlauf kommende Flying Fortuna reagierte dort auf die Aufforderungen seines Fahrers und blieb zunächst unbehelligt, weil Portland beim Versuch, seinen Speed zur Geltung zu bringen, plötzlich einen Schlenker nach innen machte und sein rechtes Sulkyrad das linke von Mister Ed Heldia touchierte.

Beim Korrekturversuch geriet der Ganymede-Sohn von den Beinen und ging leer aus, während der ohnehin am Limit trabende Nimczyk-Hengst sich nicht beeinträchtigen ließ, den Kampf um Platz drei gegen den von Thorsten Tietz optimal dirigierten Ganyboy (482:10) freilich nicht mehr gewinnen konnte. Mit dem Sieg hatten aber beide Pferde nichts zu tun, für den kämpfte Flying Fortuna zwar tapfer weiter, doch der mit viel Schwung in Spur vier gebrachte Tsunami Diamant wurde - ungeachtet seines Abdriftens um zwei bis drei weitere Spuren nach außen - mit jedem Schritt stärker und war, als es an die Ziellinie ging, sicher an dem von Tomas Malmqvist in Jägersro vorbereiteten Muscles Yankee-Sohn vorbei. Durch diesen Einlauf wurde unsere Einschätzung, der 1. Vorlauf sei der mit Abstand am besten besetzte gewesen, nachträglich noch einmal bestätigt, denn die aus dieser Qualifikation stammenden Pferde belegten im Finale die Ränge eins, zwei und vier.

Bei der Siegerehrung schämte sich Hans Holzapfel seiner Tränen nicht, äußerte sich dankbar dafür, dass ihm Max Schwarz die Möglichkeit eröffnet habe, sich an diesem Pferd zu beteiligen, der ihm einen Lebenstraum erfüllte. Andreas Schwarz wusste zu berichten, dass die Freundschaft der beiden Männer vor einigen Jahren bei einem Verkehrsunfall entstanden sei, bei dem Holzapfel »meinem Vater hintendrauf gefahren ist«. Ihn freute besonders, dass der Derbysieger von Gustav Diamant gezeugt worden ist, jenem selbst gezüchteten Hengst, nach dessen drittem Rang im Derby 2005 hinter Unforgettable und Ufo Kievitshof Vater und Sohn vor Begeisterung in den Mariendorfer Bahnteich gesprungen waren.

Bescheiden wie immer präsentierten sich Paul Hagoort, für den es bereits der fünfte Sieg in einem Deutschen Traber-Derby nach Zar As (2009), Tiger Woods As (2013) und den beiden schon eingangs erwähnten Siegen 2015 und 2016. Eine Dreierserie gab es bislang in der Geschichte des deutschen Trabrennsports nur zwei Mal: 1914 bis 1916 war Robert Großmann mit den jeweils Bruno Cassirers Stall Klausner gehörenden Adbell Toddington, Morgenwind und Pech erfolgreich, die andere Serie gelang dem nicht weniger legendären Charlie Mills, der in den Jahren 1937 bis 1939 die Hengste Fried, Leo und Dachs zu Derbyehren führte, nachdem er bereits 1934 und 1935 mit Plutarch und Probst ein Doppel hingelegt hatte.

Nicht vergessen sollte man bei dieser Betrachtung, dass Hagoorts zweijährig ungeschlagener Broadwell sein eigentliches Derbypferd war. Als dieser mit einer schweren Verletzung im Winter frühzeitig alle Ambitionen begraben musste, »zauberte« er mit Tsunami Diamant kurzerhand einen adäquaten Ersatz aus dem Hut, eine Leistung, die allerhöchsten Respekt verdient.

Wie für Michael Nimczyk, der in beiden Entscheidungen mit wenig Fortune agierte, waren die Derby-Endläufe auch für Besitzer Ulrich Mommert eher eine Enttäuschung. Bei den Stuten, über die wir an anderer Stelle noch berichten, kam sein Trio auf die Plätze zwei, drei und sieben, im Hauptlauf reichte es für den von Michael Larsen sehr umsichtig gesteuerten Mc Arthur zum fünften Platz vor dem eigentlich nie zu sehenden Harbour Eightysix und dem am Ende doch sehr müden Velten Las Vegas.

Hoffen wir, dass dem aktuellen Derby-Sieger das Schicksal seiner vier Trainingsgefährten erspart bleibt, die nach dem jeweils größten Treffer ihrer Laufbahn - abgesehen von Tiger Woods As, der noch den »Tino Triossi« gewinnen konnte - mehr oder weniger in der Versenkung verschwanden. Ferrari Kievitshof hat seit dem Derbyfinale noch einen Start (im Europa-Championat der Dreijährigen) und drei Probeläufe bestritten, den letzten im Dezember 2016. Muscle Scott brachte es immerhin noch auf drei Starts nach dem Derby, darunter zwei in Frankreich, wurde aber 2017, abgesehen von zwei Probeläufen im Frühjahr, auch noch nicht in einem Rennen angespannt.

Das Video des Rennens sehen Sie hier.

ERGEBNIS

Sonntag, 06.08.2017
Berlin-Mariendorf / Deutschland
122. Deutsches Traber-Derby (Finale)
251.408 € - 1900 m - Autostart
Dreijährige Inländer

1.Tsunami DiamantRobin Bakkero.Z.46
2.Flying FortunaChristoffer Erikssono.Z.93
3.GanyboyThorsten Tietzo.Z.482
4.Mister Ed HeldiaBjörn Goopo.Z.34
5.Mc ArthurMichael Larseno.Z.391
6.Harbour EightysixHugo Langeweg jun.o.Z.305
7.Velten Las VegasRick Ebbingeo.Z.190
 TomNJerry DiamantMichael Nimczykd.r.95
 PortlandRoland Hülskathd.r.19
 Baxter HillMichael Schmidd.r.413
 Power of RhythmRudi Hallerd.r.628
-NS-Pelle Barosso   

Tsunami Diamant - 3j. H. v. Gustav Diamant a.d. Riwa v. Love You
Sieg: 46:10 - Place: 28 - 45:10 - Zweierwette: 392:10
Dreierwette: 9.909:10 - Viererwette: 40.003:10 - keine Zeitmessung wegen Ausfalls der Zielfotografie

Der Rahmen

Mindestens ebenso spannend wie das Finale A war die Entscheidung im Trostlauf, bei dem die Bezeichnung »Finale B« häufig nicht über eine »maue« Besetzung hinweg täuschen konnte. Ganz anders dieses Jahr: wie die »Besenbinder« beharkten sich der in seinem Vorlauf vom Start gesprungene Classic Connection, hinter dem dieses Mal Jean-Pierre Dubois (77) selber saß, und der vom zehn Jahre jüngeren, 29-fachen deutschen Meister Heinz Wewering gesteuerte Lasbeker Mac Smily in der Zielgeraden.

Kurz schien es, als solle sich die fahrerische Klasse von 16.800 Siegen auswirken, doch saß Dubois letztlich hinter dem besseren Pferd, das sich in 1:12,8 - und damit nur unwesentlich langsamer als die inoffiziellen 1:12,6 des Derby-Siegers - mit einem »Hals« die 10.000 Euro-Siegprämie gegen den Brioni-Sohn (12,9) sichern konnte. Hands Down (13,1 / Roland Hülskath) hielt sich lange gut zu den beiden Protagonisten und musste erst auf den letzten 150 Metern abreißen lassen, blieb aber sicher Dritter vor den ebenfalls positiv überraschenden Harley (13,2 / Robbin Bot) und Nordmann (13,2 / Rob de Vlieger), so dass lediglich der müde wirkende Kentucky Bo (13,4 / Rudi Haller) enttäuschte.

Nach Italien ging der Sieg im Breeders Course der Zweijährigen (40.000 Euro), den Holger Ehlerts Ze Doca in der Hand von Davide Nuti, der - ohne je eine Fahrt in Berlin absolviert zu haben - zu den »Publikums-Lieblingen« gehörte, die tags zuvor in einem so benannten Rennen fuhren, nach dort entführte. Der in Italien offenbar noch als Hengst geführte Self Possessed-Wallach zermürbte auf weiten Wegen und gut einer Runde in der »Todesspur« den bis dahin führenden Park View (Robbin Bot), hätte aber möglicherweise Probleme bekommen, wäre nicht der in großer Haltung aufmarschierende Emilion (Björn Goop) ins Stolpern geraten und angesprungen.

So bekamen hinter dem 1:16,2 vorlegenden Italiener, der damit seine in Montecatini erzielte Marke um eine halbe Sekunde drücken konnte, die sich gegenüber ihrem Auftritt in Schweden gesteigert präsentierende Lasbekerin Nonas Kiss (Christian Lindhardt) und der mit einigem Speed aufwartende Very Impressive S (Cees Kamminga) die besseren Platzgelder. Der etwas ermüdete Park View musste auch noch den wie er debütierenden Ivo Baldwin (Rick Wester) vorbei lassen.

Als »Feuerstuhl« erwies sich der erstaunlich hoch gewettete Chapter One, den Jean-Pierre Dubois schon beim Aufcantern kaum zu bändigen wusste und der im ersten Bogen quasi »mit Ansagen« abhob.

ERGEBNIS

Sonntag, 06.08.2017
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Breeders Course
40.000 € - 1900 m - Autostart
Zweijährige aller Länder

1.Ze DocaDavide Nuti1:16,231
2.Nonas KissChristian Lindhardt1:16,5110
3.Very Impressive SCees Kammina1:16,7144
4.Ivo BaldinRick Wester1:17,2342
5.Park ViewRobbin Bot1:17,398
6.Lightning BoMichael Nimczyk1:17,579
7.Nanetta HillHeinz Wewering1:19,8339
8.Danielle SimoniManfred Zwiener1:21,1670
 Chapter OneJean-Pierre Duboisd.r.41
 EmilionBjörn Goop3. d.r.61

De Zoca 2j. W. v. Self Possessed a.d. Pandora degli Dei v. Varenne
Sieg: 31:10 - Place: 20 - 32:10 - Zweierwette: 163:10 - Dreierwette: 1.330:10

Jeweils zum »Geldwechsel-Kurs« von 10:10 gingen die beiden Derby-Revanchen weg, die zumindest bei den Hengsten und Wallachen keine war, weil - wie schon beschrieben - Muscle Scott »auf Feierschicht« ist. Angesichts der Leistungen, die sein »runner up« Orlando Jet bei seinen vier Starts nach dem ersten August-Sonntag 2016 gezeigt hatte, und vor allem nach dem überragenden Auftreten in Vincennes hätte selbst ein Muscle Scott in der Form seines Derby-Sieges wohl keine Chance gegen den Dunkelbraunen von Rudi Haller gehabt.

Der machte immerhin eine Show aus dem Rennen, schaute sich zunächst die erfolgreichen Bemühungen Gerhard Mayrs an, mit Muscle Boy AS die Spitze gegen Dreambreaker (Dennis Spangenberg) und Fiobano (Thorsten Tietz) zu erobern, bevor er ihm Mitte der Tribünengeraden die Führung schnörkellos abnahm und jeder, außer dem Kommentator, sah, das der Österreicher ihn keineswegs »gewähren« ließ, sondern das Kommando schon sehr gern verteidigt hätte, wäre es nur möglich gewesen. Obwohl mit schiefem Kopf durch den Rosenhof-Bogen gehend, ließ Orlando Jet das Tempo nur kurz abflauen, machte bereits gegenüber wieder Fahrt auf und hatte die sechs Altersgefährten damit sofort unter Druck.

Keine Frage, Muscle Boy AS (12,1) lief ein starkes Rennen, verteidigte auch zäh gegen den zudringlichen Dreambreaker (12,1) den Ehrenplatz, hatte aber nicht die Spur einer Chance gegen den in 1:11,6 auf vier Längen davon ziehenden Orlando Vici-Sohn, der zweifellos die größte deutsche Hoffnung auf internationalem Parkett in den nächsten Jahren sein wird. Zum Bahnrekord von Fridericus fehlten ihm am Ende nur vier Zehntel, die er - wäre er gefordert worden - sicher hätte schaffen können. Der von Thomas Panschow ökonomisch um den Kurs gebrachte Mr Shorty (12,5) schnappte sich die vierte Prämie.

ERGEBNIS

Sonntag, 06.08.2017
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Derby-Revanche
25.000 € - 1900 m - Autostart
Vierjährige Inländer

1.Orlando JetRudi Haller1:11,610
2.Muscle Boy ASGerhard Mayr1:12,1113
3.DreambreakerDennis Spangenberg1:12,157
4.Mr ShortyThomas Panschow1:12,5141
5.Saltnpepa DiamantBjrön Goop1:12,8294
6.AgostinoRoland Hülskath1:13,0330
7.FiobanoThorsten Tietz1:13,2122

Orlando Jet - 4j. H. v. Orlando Vici a.d. Chicolina v. Super Arnie
Sieg: 10:10 - Place: 12 - 19:10 - Zweierwette: 35:10 - Dreierwette: 84:10

Nicht weniger überlegen, wenn auch deutlich langsamer, war gleich anschließend gegen nur fünf Altersgefährtinnen auch Jahrgangs-Königin Gilda Newport, die es hier natürlich ungleich einfacher hatte als zuletzt in Halmstad beim Finale der StoSprintern. Anfangs ließ Dion Tesselaar Noble Dolly (Cees Kamminga) und Gamine Newport (Michael Nimczyk) ihren Kampf um die Führung, setzte kurz nach Beginn der Schlussrunde in zweiter Spur vor der heran kommenden Stonewashd Diamant nach und hatte bereits ausgangs des vorletzten Bogens die Führung an sich gerissen.

Während die arg enttäuschende Biendl-Stute nach zuvor sechs Siegen »en suite« hier recht »brutal« die aktuellen Grenzen aufgezeigt bekam, nach dem kurzen Intermezzo auf Rang vier am Ende fast acht Längen Rückstand aufwies und nur noch die klarer überforderten Louisiane (Christian Lindhardt) und Tessa (Rob de Vlieger) hinter sich hatte, machte die Jahrgangsbeste mit zwei 10er Zwischenzeiten in der Endphase schnell »reinen Tisch«. 1:12,8 reichten zum überlegenen Drei-Längen-Sieg über Noble Dolly und die sie vergeblich attackierende Gamine Newport.

Die beiden restlichen »Hochkaräter« der wie alle Tage zuvor unter dem geschäftlichen Ergebnis des Vorjahres (hier ca. 25.000 Euro) bleibenden Veranstaltung, bei der - wie in den letzten Jahren offenbar üblich geworden - die Küche im 3. Obergeschoss des Tribünenhauses bereits um 17:15 Uhr, also mehr als eine Stunde vor dem Start des Derby-Finales, geschlossen wurde, gingen einmal mehr an Michael Nimczyk, der von den insgesamt 94 Rennen seit dem 28. Juli sage und schreibe 21 gewann und nach eigener Rechnung allein mit den in Willich trainierten Pferden rund 150.000 Euro an Rennpreisen gewann.

Als Trainer von Lighten up Today zeichnet indes der sympathische Däne Michael Larsen verantwortlich. Der Wallach gewann als 51:10-Chance gegen starke Konkurrenz aus Schweden und Dänemark das Finale des Super Trot Cup, das gegenüber dem Vorjahr mit 10.000 Euro weniger Rennpreis (60.000 Euro) auskommen musste. Auf der 2500 Meter-Strecke musste der Ulrich Mommert gehörende Wallach zunächst Springfield (Christoffer Eriksson) den Vortritt lassen, während Going Diablo - wie von Jörgen Sjunnesson bei einem kurzen Gespräch am Morgen des Renntages befürchtet - in der Außenspur hängen blieb.

Nachdem unterwegs nicht zu viel Bewegung im Feld war, überschlugen sich ab Mitte des Schlussbogens die Ereignisse. Michael Nimczyk attackierte, nachdem er kurz gezögert und damit Going Diablo und Amazing Dynamite (Ken Ecce) ein wenig irritiert hatte, mit seinem Schützling im zweiten Teil des Bogens und eroberte im Einlauf einen knappen Vorteil, den er gegen den innen immer wieder anfassenden Springfield soeben ins Ziel rettete. Immerhin war der Vorsprung groß genug, dass sich Amazing Dynamite noch zwischen die Beiden auf Platz zwei schieben konnte.

Weil diese wiederum kurz der am Ende nach dem harten Pensum verdient viertplatzierten Going Diablo in die Quere kam, überprüfte die Rennleitung sowohl gegen den Sieger, als auch gegen die Zweitplatzierte, beließ es aber am Ende beim sportlich entstandenen Ergebnis, eine Entscheidung, die man in beiden Fällen mittragen kann. Annabelle Dimanche (Dominik Locqueneux) schnappte sich die verbliebenen 3.000 Euro. Iron Steel war mit der heutigen Aufgabe trotz des günstigen Startplatzes überfordert, Ginger Heldia und Hobard als weitere Qualifizierte der Berliner Vorentscheidungen mit Attest ferngeblieben.

ERGEBNIS

Sonntag, 06.08.2017
Berlin-Mariendorf / Deutschland
Super Trot Cup (Finale)
60.000 € - 2500 m - Autostart
Für das Finale qualifizierte Pferde

1.Lighten up TodayMichael Nimczyk1:16,051
2.Amazing DynamiteKen Ecce1:16,055
3.SpringfieldChristoffer Eriksson1:16,025
4.Going DiabloJörgen Sjunnesson1:16,1154
5.Annabelle DimancheDominik Locqueneux1:16,2184
6.Rap A DKenneth Andersen1:16,3646
7.Wilma LeggrowbachGeir Mikkelsen1:16,384
8.Making LoveJohnny Takter1:16,438
9.Popeye DiamantGerhard Biendl1:16,6106
10.Iron SteelVictor Gentz1:16,6600

Lighten up Today - 7j. W. v. Love You a.d. Celebrate Light v. Supergill
Sieg: 51:10 - Place: 22 - 23:10 - Zweierwette: 397:10 - Dreierwette: 1.206:10 - NS: Ginger Heldia, Hobard

Einmal mehr eine brillante Vorstellung gab der unverwüstliche Banks in der Rekordmeile (15.000 Euro), die der in seiner von längeren Verletzungspausen gezeichneten Karriere gerade 32 Mal gestartet Wallach aus der Zucht des inzwischen auch von der Bildfläche verschwundenen Gestüts Stormy Horses in die Nähe des Bahnrekordes brachte. Obwohl aus der zweiten Reihe beginnend, schoss der Achtjährige hinter Abano H her, und man konnte die harten Hufschläge der beiden Kontrahenten bis auf den Balkon im 3. OG des Tribünenhauses hinauf hören.

Kurz nach Beginn der Schlussrunde konnte sich Michael Nimczyk mit seinem Schützling in den Rücken des leicht favorisierten Abano H postieren, kam dort, als der Pilot eingangs zur Zielgeraden gründlich geschlagen war, ohne Probleme weg, »tauchte« hinter dem inzwischen führenden und von Stan Libuda (Dennis Spangenberg) bedrängten Aron the Baron (Christoffer Eriksson) sofort wieder nach innen und regelte dort die Formalitäten innerhalb weniger Meter. 1:11,4 zeigten die (Berliner) Uhren nach diesem furiosen Schlusseinsatz, womit Fridericus seinen allerdings auf der Mitteldistanz erzielten Rekord noch ein wenig behalten darf. Stan Libuda nahm Aron the Baron noch den Ehrenplatz ab, der Rest blieb für den zu lange hinten liegenden Italiener Tale Inno (Davide Nuti) und Edo Venus (Tom Kooyman). Sofern er den Berliner Start gut verdaut hat, soll Banks nun ein Rennen am 15. August im nordfranzösischen La Capelle wahrnehmen, in das er fast auf den Euro genau hinein passt (Sieben- bis Neunjährige bis 148.000 Euro über 2700 Meter Autostart).

Zum Schluss noch ein Blick aufs Geschäft. An den acht Renntagen mit insgesamt 94 Rennen (+1) wurden laut HVT-Umsatzstatistik insgesamt 2.676.281,86 Euro an die Totokassen auf der Bahn und in den diversen Außenwettannahmen getragen, was einem Schnitt von rd. 28.471 Euro pro Rennen entspricht. Vor Jahresfrist waren es noch 2.822.926,24 Euro bei 93 Rennen gewesen, was einem Schnitt von rd. 30.354 Euro entsprach. Mithin fehlen unter dem Strich 146.644 Euro oder 1.883 Euro pro Rennen, sicher kein dramatischer Einbruch, aber ganz sicher auch nicht das erhoffte positive Signal. - (cw)

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