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18. JUN 2017

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Den Elitloppet-Sieger »abgeschossen«

Mit einer saftigen Überraschung endete der Kymi Grand Prix, jener Saisonhöhepunkt des 86.000-Einwohner-Städtchens Kouvola, zu dem der Veranstalter trotz der dicht gespickten europäischen Rennkarte für die hochkarätigen Internationalen und des weiten Anreiseweges seit 1998 Jahr um Jahr ein illustres Starterfeld über den Bottnischen Meerbusen zu locken vermag.

Der zum vierten Mal präsente Timoko, der sich 2014 die Krone aufgesetzt hat - auch damals mit den frischen Lorbeeren eines Elitloppet-Siegers eingeflogen -, schaffte es nicht, sich nach Commander Crowe (2009, 2012) und dem Spanier Trebol die Gruppe I-Prüfung ein zweites Mal an die Fahne zu heften, konnte aber dennoch die Arena in Finnlands Südosten hoch erhobenen Hauptes verlassen. Der Grund dafür war schon nach 700 Metern zu erahnen in einer der härtesten Schlachten um die Führung, die es für eine 2100 Meter lange Prüfung je gegeben hat. An der »2« machte Jorma Kontio, einer der rasantesten Starter Nordeuropas, Buzz Mearas die »Socken« scharf und wollte die Spitze partout nicht hergeben, in der Mitte drückte Timoko (3) wie der »Deibel«, und in dritter Spur mischte sich Seabiscuit, Finnlands Derby-Sieger 2011, unter früher Hergabe all seiner Kräfte ein.

Timoko, eine Dreiviertellänge in der Vorhand, kam genauso wenig an dem Schweden aus Frankreich vorbei, wie Mika Forss den Halbe-Länge-Vorteil zu Timoko zum Spurwechsel zu nutzen vermochte. In aberwitzigen 1:06,5 durchraste das Trio die ersten 500 Meter, es gab Gespräche zwischen Goop und Forss (»An mir kommst du auf keinen Fall vorbei«), und nach 700 Metern hatte Finnlands amtierender Europameister ein Einsehen, brach die knallharte Attacke ab und musste mit der »Todeslage« vorliebnehmen, weil wenig später Timoko endlich ganz nach vorn ziehen durfte. An dieser Harakiri-Aktion sollten alle Drei am Ende entscheidend zu knabbern haben, wobei es für den großen alten Herrn des europäischen Trabrennsports spricht, dass er sich als Einziger dieses Trio Infernale bis zum Pfosten erbittert zu wehren wusste.

Natürlich ging es ausgangs der zweiten Kurve sehr viel ruhiger zu, und diese Phase nutzte Johan Untersteiner, den ihm von seinem Vater anvertrauten Carabinieri aus dem dritten Paar außen an die Seite Timokos zu lancieren. Ihm folgten Seabiscuit, der 600 Meter vor dem Ziel wegen »akuten Sauerstoffmangels« ruckartig praktisch durchs Feld fiel, Up and Quick, Dreammoko und Titelverteidiger Trebol, der vom äußeren Startplatz anfangs gar kein Lage gefunden hatte. Buzz Mearas waren Workout Wonder, Jonesy und Big Headache auf den Fersen. Nach einem extrem langsamen dritten Abschnitt wurde eingangs der Schlusskurve wieder kräftig aufs Gaspedal gedrückt, was in finalen 500 Metern von 1:10,5 gipfelte. Das reichte, Jag de Bellouet seinen elf Jahre alten Renn- und Bahnrekord von 1:11,1 um eine Zehntelsekunde zu entreißen.

Es war jedoch nicht der sich stets aufs Neue grandios aufbäumende Timoko, dem diese Ehre zuteil wurde. Eine Länge besser war der unermüdliche Carabinieri, der den Imoko-Sohn 50 Meter vor dem Pfosten in den Griff bekam und ihn nach hartem Hauen und Stechen in die Knie zwang. Grämen muss sich Richard Westerink darüber ganz sicher nicht, zumal Timokos bester Sohn Dreammoko, der - ein Novum in einem Gruppe I-Vergleich - ebenfalls mit von dieser beinharten Partie war, über Erwarten gut auf den Bronzeplatz spurtete und als Vierjähriger eine gestandene Größe wie den 2015er Prix d´Amérique-Sieger Up and Quick wuchtig um zwei Längen überrannte.

Einen ganz bitteren Kelch mussten die anfangs so Aufmüpfigen leeren: Seabiscuit wurde angehalten, Buzz Mearas fiel bis auf Platz sieben zurück. Kein Wunder war es, dass bei dieser Höllenfahrt Trebol seinen speziell in Kymi so gefürchteten Endspurt nicht mal ansatzweise auspacken konnte und auf Rang acht landete. Früh am Limit war zudem Workout Wonder, den Tommi Kylliäinen im Schlussbogen hinter Carabinieri verstauen wollte, jedoch nicht mitkam, sich wieder für die Innenspur entschied und dort für das letzte Platzgeld hinter dem erschöpften Buzz Mearas verhungerte. »Selbstverständlich ist uns die knüppelharte Anfangsphase sehr entgegengekommen, wo Carabinieri im dritten Paar außen viel Kraft sparen konnte. Danach hab ich mich an die Seite Timokos gelegt und allein auf die Kampfgeist meines Hengsts im Einlauf gesetzt. Hut ab vor Timoko - nach diesem Transport hat er brillant bis zum letzten Meter gefightet - er ist ein wahrer Gigant! Dies ist einer der bedeutendsten Siege in meiner Karriere - heute Abend wird kräftig gefeiert«, strahlte Johan Untersteiner. Vater Peter war in Schweden geblieben und fuhr im wiederbelebten Tingsryd vier Pferde als Erste ins Ziel.

Das Video des Rennens sehen Sie hier.

ERGEBNIS

Samstag, 17.06.2017
Kouvola / Finnland
Kymi Grand Prix
165.000 € - 2100 m - Autostart
FFA

1.CarabinieriJohan Untersteiner1:11,0*64
2.TimokoBjörn Goop1:11,118
3.DreammokoGabriele Gelormini1:11,3256
4.Up And QuickJoseph Verbeeck1:11,5116
5.Big HeadacheVeli-Pekka Toivanen1:11,6945
6.JonesyTuomas Korvenoja1:11,7586
7.Buzz MearasJorma Kontio1:11,8127
8.TrébolGabriel Angel Pou Pou1:11,8175
9.Workout WonderTommi Kylliäinen1:11,970
 SeabiscuitMika Forssagh.582

Carabinieri - 6j. H. v. Wellino Boko a.d. Dew Princess v. J.R. Broline
Sieg: 64:10 - Platz: 16 - 12 - 27:10 - Zwilling: 67:10 - Dreierwette: 1.066:10
* = Rennrekord

Björn Goop hatte sich seine »Trostpflaster« zuvor im Rahmen-Programm geholt. Drei Mal fuhr der zwölffache Schweden-Champ zur Siegerehrung vor, darunter für Trainer Veijo Heiskanen mit Some Summit. Die sechsjährige Dream Vacation-Tochter, aus acht Monaten verletzungsbedingter Pause kommend, gab im Jouni Kaikko Memorial nach 1500 Metern »Todesspur« kräftig Gas, setzte sich in 1:12,3 / 2100 Meter auf fünf Längen Vorsprung ab und kassierte 10.000 Euro. - (mw)

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