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23. SEP 2018

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V75: Liebe ist Trumpf

(mw) - Färjestad, Samstag, 22. September. Das Dutzend ist voll: Zum zwölften Mal seit 2007 veranstalteten in einer beispielhaften Kooperation die Verbände Norwegens und Schwedens im September auf der Heimatbahn von Europabummler Björn Goop am Nordufer des Vänersees ihre gemeinsame V75-Runde.

Momarken, die Bahn des kleinen Städtchens Mysen einen Steinwurf westlich der gemeinsamen Grenze, feiert dieses kleine Jubiläum im kommenden März, wenn es dort traditionell zum freundschaftlichen Rückkampf kommt. Beide Länder betreiben auch das real existierende Nordiska Travmuseet mit angeschlossener Hall of Fame in trauter Eintracht. Eine Zusammenarbeit, wie sie im gebeutelten deutschen Trabrennsport seit Jahrzehnten den einzelnen Rennveranstaltern und der Aufsichtsorganisation eine ferne Utopie ist.

Wie erwartet bekamen die Gäste in diesem »Länderspiel mit Trabern« kein Bein auf die Erde und wurden mit einer 1:6-Klatsche heimgeschickt. Genauso wenig überraschend war, dass für den Ehrenpunkt die Kaltblüter zuständig waren. Es war jedoch nicht der 10,7 Millonen Kronen schwere, mittlerweile von Jan-Olov Persson im schwedischen Hagmyren trainierte Tekno Odin, der die Kastanien fürs »Team Norge« aus dem Feuer holte. 500 Meter vor dem Ziel des »Unionskampen« um 300.000 Kronen für den Sieger, der damit das wertvollste Match des Nachmittags war, erfolgte seine Ablösung durch zwei in Norwegen vorbereitete Landsleute, die sich fortan bis zur Linie erbittert um jeden Zentimeter beharkten und zwischen denen das Zielfoto entscheiden musste: Hauchdünn rettete sich Myhreng Jerker, der Tekno Odin in zweiter Spur ausgiebig massiert hatte, mit Olav Mikkelborg gegen Kleppe Sauren, der mit Kjetil Djöseland trotz eines letzten Viertels in Spur drei bis zum Pfosten keinen Deut locker ließ.

Bei den »Warmblütern«, die sich in der als »Uno Sweds Minneslopp« feilgebotenen Gulddivisionen maßen, ging es um zwei Drittel dieser Börse - für das Erfolgsteam um Daniel Redén als Vorbereiter und Örjan Kihlström als Vollstrecker ein Klacks im Vergleich zu jenen zwei Millionen, die ihr Propulsion sechs Tage zuvor in Östersund als neuer UET-Master eingesackt hatte. Dennoch ließen sie dieses Aufgeld nicht auf dem Gabentisch liegen - und das mit einer in dieser Leichtigkeit nicht erwarteten Nonchalance.

Ihr Love Matters war an der 4 fast ideal aufgestellt, um die Kommandobrücke früh zu entern, womit der gemeinsam mit Racing Mange Jüngste im Feld dann auch vor Norwegens Photo Lavec keine Schwierigkeiten hatte. Wie Björn Goop in Windeseile seine I Love Paris aus Startposition 12 ruckzuck dahinter in die Innenlage bohrte, war ein Kabinettstück der besonderen Art und fast schon das Eintrittsgeld wert. Weil sich Racing Mange als äußerer Anführer vor Going for Gold Zaz, Donatomite, Dante Boko, Beau Mec, On Track Piraten und Queer Fish durchsetzte, wurde das Tempo von den beiden Fünfjährigen bestimmt, wobei sich Joakim Lövgren mit Druck auf den Leader wohlweislich zurückhielt.

Damit war er gut beraten, denn so, wie Kihlström 200 Meter vorm Ziel resolut abfuhr - weder Ohrenkappe noch Zugklappen gezogen, die Peitsche geschultert -, hätte er sich vermutlich gegen den Explosive Matter-Sohn um Kopf und Kragen gefahren. Fast wäre ihm mit dieser vornehmen Zurückhaltung der Ehrenplatz samt 100.000 Kronen gelungen, wäre da nicht Teufelskerl Björn Goop gewesen. Bis zu Beginn der Zielgeraden ausbruchsicher eingemauert, erfolgte die Befreiung durch den totalen Rückzug des 2015er Sieger im Grand Prix des Alpes Maritimes zu Cagnes-sur-Mer Going for Gold Zaz.

Plötzlich stand die Tür sperrangelweit offen, und solch eine Chance lässt sich der 40-Jährige selten entgehen. Wie zwei Runden zuvor am Start legte die in Norwegen registrierte Steinlager-Tochter einen Speedwirbel hin, der sich gewaschen hatte und sie um eine Länge an Racing Mange vorbeidüsen ließ. In Goops Sog kam Deep Sea Dream als bester in Norwegen Stationierter zu Platz vier vor Landsmann Photo Lavec.

Vom Rest unterstrich Schwedens Derbysieger 2011 Beau Mec seine exzellente Verfassung und hielt sich, obwohl 900 Meter vorm Ziel als Erster in Spur drei schnuppernd, unter anderem On Track Piraten vom Hals, der neuerlich sein letztes großes Ziel verfehlte, den »warmblütigen« Rekord Callits einzustellen, was V75-Schleifen (bzw. zu dessen aktiver Zeit der V65) betrifft.

»Ich musste am Start wenig investieren, um in Front zu kommen, und konnte es dann recht ruhig angehen lassen. Allmählich scheint er sich zu finden, auch wenn die Gegner heute nicht allererste Güteklasse darstellten. Macht er so weiter, kann er sich bei passenden Verläufen zu einem richtig guten Pferd entwickeln«, hielt der »Iceman« in gewohnter Manier den Ball flach über den einstigen Schützling Jimmy Takters, der, seit er im Februar 2017 nach Europa gekommen ist, sechs Siege aus 19 Auftritten sowie 1,5 Millionen SEK gewonnen hat.

ERGEBNIS

Samstag, 22.09.2018
Färjestad / Schweden
Uno Sweds Minneslopp
409.500 SEK - 2140 m - Autostart
Gulddivisionen

1.Love MattersÖrjan Kihlström1:11,426
2.I Love ParisBjörn Goop1:11,7159
3.Racing MangeJoakim Lövgren1:11,739
4.Deep Sea DreamSvein O. Wassberg1:12,0325
5.Photo LavecTom Erik Solberg1:12,2214
6.Beau MecCarl Johan Jepson1:12,386
7.On Track PiratenErik Adielsson1:12,382
8.DonatomiteFrode Hamre1:12,4362
9.Queer FishKaj Widell1:12,4275
10.Dante BokoAdrian Kolgjini1:12,583
11.Going For Gold ZazNicklas Westerholm1:12,9190
-NS-Francais Du Gull   

Love Matters - 5j. H. von Explosive Matter a.d. Lotsa Love v. Andover Hall
Sieg: 26:10 - Richterspruch: überlegen 2½ - ¾ - 2½ - 2 - 1 - ½ Länge
Wert: 200.000 - 100.000 - 50.000 - 26.500 - 17.000 - 10.000 - 6.000 SEK

Zum Auftakt der V75-Serie gab’s in der »Silverdivisionen«, die der Brad de Veluwe-Nachkomme Handsome Brad mit Carl Johan Jepson mit harter Hand Start-Ziel dominierte, sich für 14:10 überlegen auf 2½ Längen absetzte und demnächst sein Glück in der Gulddivisionen versuchen muss, wenn es ihn nicht über Winter nach Vincennes verschlägt, ein Wiedersehen mit Faust Hanover.

Der Achtjährige, der unter Josef Franzls Regie 2014 mit Thomas Royer die Berliner Derby-Meisterschaft der Amateure eingeklinkt hat und seit Jahren in Russland aktiv ist, lässt sich ab und an in Schweden blicken. Von seinem ständigen Trainer und Fahrer Andrei Vilkin im dritten Paar außen postiert, wurde der auf der Hanover Shoe Farms geborene Credit Winner-Sohn aus dem Besitz Natalya Stroys weit zurück Sechster und zugleich Vorletzter, was mit 8.000 SEK belohnt wurde.

Nicht zufrieden dürfte die ATG mit dem von Norwegen und Schweden gemeinsam abgerechneten V75-Umsatz gewesen sein: Trotz eines 17-Millionen-Kronen-Jackpots blieb er knapp unter der 100-Millionen-Grenze. Da war in früheren Jahren schon mal deutlich mehr drin - auch ohne zusätzlichen Anreiz.

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